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Über Zeitfäden

“Zeitfäden” beschäftigt sich mit historischen Medien, größtenteils mit historischen Romanen, Filmen und Serien und ihrer Darstellung von Geschichte. Dabei geht es mir nicht unbedingt um “historische Korrektheit”, da ich der Meinung bin, dass es die nicht gibt. Geschichte aufzuarbeiten, ob wissenschaftlich oder für Unterhaltungsmedien, bedeutet immer, Geschichte zu interpretieren. Und in den allermeisten Fällen gibt es nicht nur eine Interpretation, sondern dutzende, von denen kaum eine falsch oder richtig ist.

Ich bin Historikerin und Autorin und möchte auf “Zeitfäden” viel eher aufschlüsseln, wie – und warum – Geschichte in modernen historischen Medien dargestellt wird. Wieso werden bewusste Anachronismen eingesetzt? Was ist Klischee und was ist doch in echter Geschichte verankert? Und wieso sind gewisse Klischees und Mythen über bestimmte Epochen so ein Problem? Vor allem: Wie formen historische Unterhaltungsmedien unser Bild von Geschichte – und wie spielt das mit unserem Bild von der Gegenwart zusammen?

Dabei ist es mir besonders wichtig, immer wieder die gängigen Muster zu hinterfragen und Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Viele Konsument.innen von historischer Fiktion machen sich nicht bewusst, wie wahr der Spruch “Geschichte wird von den Siegern geschrieben” ist. Ich würde ihn ein wenig umformulieren: Geschichte wird von den Mächtigen geschrieben. Aber was wird ausgelassen? Wessen Geschichten werden in den Mittelpunkt gerückt und wessen verdreht, entwertet oder ganz unsichtbar gemacht?

Ich möchte mit “Zeitfäden” ein Bewusstsein dafür schaffen, wie vielschichtig Geschichte ist, wie komplex und wie wenig schwarzweiß. Geschichte war oft inklusiver als wir es ihr heute zutrauen, und sie war vor allem nicht so gradlinig, wie sie oft gezeigt wird.