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Romane & Mehr

Nord- und Ostsee im Historienroman: 5 Neuerscheinungen im Frühjahr 2021

Einigen von euch ist vielleicht schon aufgefallen, dass ich eine Kategorie namens Meer & Küste habe, in der ihr historische Romane rund um das Leben mit und auf dem Meer findet, besonders Nord- und Ostsee. Das liegt daran, dass ich Romane dieser Art selbst sehr mag und zudem an der Ostseeküste wohne. Das Meer fasziniert uns bis heute, doch für die Menschen der Vergangenheit, die entlang den Küsten lebten, war es viel mehr als das: Es bedeutete den Lebensunterhalt, war aber auch gleichzeitig gefährlich und unheimlich. Deshalb findet man zum Beispiel in vielen Kirchen entlang der Küsten sogenannte Votivschiffe: Schiffsmodelle, die von der Decke hängen, und die ansässigen Fischer_innen und Seeleute repräsentieren, sowie die innige Bindung zum Meer.

Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde das Meer zum Freizeitziel, als Kur- und Urlaubsorte entlang Nord- und Ostsee entstanden. Zur selben Zeit erschließen sich die Menschen das Meer immer weiter. Es ist bald nicht nur mehr gefährliche Handelsroute, sondern vor allem ein Reiseweg, besonders als die Migration zwischen Europa und Amerika wirklich einsetzt: Schiffe werden schneller, größer und sicherer, die einst monatelange Reise über den Atlantik dauert um 1900 keine zwei Wochen mehr. Und doch bleibt das Meer gefährlich und unergründlich: Die große Titanic-Katastrophe von 1912 ist nicht das einzige schlimme Seeunglück, das im 19. und frühen 20. Jahrhundert Leben kostet, doch das Meer kann auch anders: Die gesundheitsfördernde Seeluft wird ebenfalls in dieser Zeit entdeckt. 

Da viele von uns im Moment natürlich nicht selbst an die Nord- oder Ostsee fahren können, habe ich mir überlegt, euch heute ein bisschen dabei zu helfen, zumindest per Buch nicht nur ans Meer zu reisen, sondern auch in die Vergangenheit. Hier sind fünf historische Neuerscheinungen, die an Ost- und Nordseeküste spielen. Ich möchte sie alle selbst noch lesen, habe das aber noch nicht getan, deshalb denkt bitte daran, dass ich noch nicht einschätzen kann, welche Inhalte in den Büchern vorkommen. Darüber hinaus könnt ihr natürlich auch gern in meiner “Meer & Küste”-Kategorie stöbern oder auf die Rezensionen zu diesen und anderen Nord- und Ostseebüchern warten, die ich im Laufe des Sommers lesen werde. Viel Spaß!


Inhaltswarnung
Ich erwähne in den Klappentexten und Lesemotivationen die Themen Tod (Ertrinken), komplizierte Schwangerschaft und Krankheit (Syphilis)

“Die Walfängerin von Borkum” von Claudia Schirdewan

Worum geht’s?: Borkum 1653. Als ihr Verlobter Joris bei einem Überfall auf See ums Leben kommt, soll Fenja seinen Bruder heiraten. Doch Fenja ahnt, dass mit der Geschichte von Joris’ Tod etwas nicht stimmt. Sie wehrt sich gegen die Hochzeit… Der Beginn dramatischer Konsequenzen, die Fenja in große Gefahr bringen. 

Ich möchte es lesen, weil es nicht nur endlich mal wieder ein historischer Roman ist, der deutlich vor 1900 spielt (die Latte liegt tief, was meine Wünsche an das Genre angeht), sondern es auch um frühen Walfang auf Borkum, Seefahrt und das Leben mit dem Meer geht, alles Themen, die mich sehr interessieren. Ich hoffe auf einen spannenden Schicksals- und Abenteuerroman, der in einem Setting spielt, das in den letzten Jahren relativ selten geworden ist, und natürlich auf ganz viel dunkel-stürmisches maritimes Flair, wie es das Cover andeutet. Vor allem hoffe ich aber, mal wieder einen klassischen Historienroman lesen zu dürfen, der mich in diese in letzter Zeit selten besuchte Epoche mitnimmt. 

“Die Walfängerin von Borkum” ist am 30. April 2021 bei Lübbe erschienen und hat 352 Seiten.


“Der Kaffeegarten: Salz im Wind” von Anke Petersen

Darum geht’s: Sylt 1914. Die Schwestern Matei und Elin haben ihre Eltern bei einer Sturmflut verloren. Seitdem leben sie bei der Kapitänsfamilie Hansen auf Sylt. Als sich herausstellt, dass die Familie Geldnöte hat, gehen die Schwestern ein Wagnis ein: Sie wollen aus dem Kapitänshaus ein Café machen.

Ich möchte es lesen, weil ich mir von dieser Familiengeschichte erhoffe, dass sie das macht, was ich am Genre mag und mir interessante Figuren und Konflikte näherbringt. Um 1914 ist Sylt seit ein paar Jahren eins der beliebtesten Seebäder in Schleswig-Holstein und ich bin gespannt auf eine Geschichte über zwei Schwestern, die nicht nur in der Tourismusbranche des frühen 20. Jahrhunderts bestehen müssen, sondern auch die Welt der mondänen High Society kennenlernen, die in dieser Zeit auf Sylt Urlaub macht. Dass der Roman auf der Geschichte des echten Sylter Cafés “Nielsens Kaffeegarten” basiert, macht mich natürlich auch neugierig. Ich erwarte mir eher einen leichten, sommerlichen Roman und bin gespannt, ob mir die Geschichte gut genug gefallen wird, um Band 2, der in den 1920ern spielt, auch zu lesen. 

“Der Kaffeegarten: Salz im Wind” ist am 1. April 2021 bei Knaur erschienen und hat 496 Seiten.


“Die Insel der Wünsche: Stürme des Lebens” von Anna Jessen

Worum geht’s?: 1887 reist das Hamburger Blumenmädchen Tine nach Helgoland, um im aufstrebenden Seebad der Armut zu entkommen. Tine findet eine Anstellung als Zimmermädchen in einem eleganten Hotel und verliebt sich in den Hotelier, Henry Heesters. Doch immer wieder werden ihrem Glück Steine in den Weg gelegt…

Ich möchte es lesen, weil der Roman genau in der Zeit spielt, in der Helgoland von der britischen Kronkolonie zum Teil von Preußen wird. Ich gebe ganz ehrlich zu, dass der Roman mich als eher klassischer historischer Liebesroman nicht so sehr anspricht, doch der historische Kontext hat mich das Buch dann doch anfragen lassen. Während ich natürlich hoffe, dass mich die Liebesgeschichte zwischen Tine und Henry doch packen kann, bin ich vor allem darauf gespannt, welche Rolle Helgolands bewegte Geschichte und sein Wandel zum beliebtesten Seebad Deutschlands in dieser Zeit spielen wird. Auch hier hoffe ich, dass der Roman sommerlich leicht zu lesen sein wird. Der Rest der Trilogie wird bereits Anfang Juni und Juli erscheinen, sodass alle Fans von Historical Romance hier vielleicht eine ganze Reihe für die Sommerlektüre zuhause entdecken könnten. 

“Die Insel der Wünsche: Stürme des Lebens” ist am 22. März 2021 bei Goldmann erschienen und hat 544 Seiten.


“Ostseefrische” von Elke Hellweg

Darum geht’s: Rügen 1896. Der Arzt Konrad und seine Frau Jette eröffnen im Seebad Binz ein Sanatorium. Während anspruchsvolle Gäste anreisen, kümmert Sich Konrad um seinen Bruder Theo, dessen Syphiliserkrankung ihm immer mehr zusetzt. Zeitgleich erlebt Jette ihre erste Schwangerschaft als kompliziert und schwierig. 

Ich möchte es lesen, weil auch dieser Roman eher nach einem klassischen Historienroman klingt als nach einer groß angelegten Familiengeschichte. Dass die Autorin selbst Medizin studiert und als Ärztin praktiziert hat, war für mich der entscheidende Grund, aus dem ich dem Buch eine Chance geben wollte, obwohl mich Romane über Ärzt_innen selten abholen. Ich erhoffe mir hier einen vielleicht etwas ernsteren Ton, da es um Krankheit und eine schwierige Schwangerschaft geht, sowie einen interessanten Einblick in ein Sanatorium im modernen Seebad Binz um 1900: Es geht nicht nur um Konrad und Jette, sondern auch um Gäste und Bedienstete im Haus, was mich auch immer anspricht. Ob die “Downton Abbey”-Formel auch in einem Sanatorium am Meer funktioniert, werde ich bald berichten.

“Ostseefrische” ist am 01.04.2021 bei Droemer Knaur erschienen und hat 480 Seiten.


“Die Bernsteinschwestern” von Anna Gerding

Worum geht’s?: Laboe 1919. Die Fischerstochter Ella und ihre beste Freundin Anni sind unzertrennlich. Doch dann verschwindet Anni spurlos. Ist sie wirklich in der Ostsee ertrunken? Knapp hundert Jahre später entdeckt die Hamburger Journalistin Kathrin ein mysteriöses Foto aus den 1920ern und reist nach Laboe, um mehr darüber herauszufinden… 

Ich möchte es lesen, weil ich das Gefühl habe, dass auch Romane mit mehreren Zeitebenen in letzter Zeit seltener geworden sind, dabei habe ich sie immer gern gelesen, wenn das Konzept gut umgesetzt war. Romane über Menschen, die der Geschichte mithilfe von Recherche kleine Geheimnisse abbringen, mochte ich schon immer – Kein Wunder, ich habe ja selbst nicht umsonst Geschichte studiert. Dieser Roman spielt in der Region, in der ich selbst wohne, und verspricht Seebadromantik, aber auch eine interessante Geschichte rund um zwei ungleiche Freundinnen. Ich hoffe sogar auf einen kleinen Funken Mystery, den Romane dieser Art oft mitbringen und bin sehr gespannt auf das Buch.

“Die Bernsteinschwestern” ist am 01. April 2021 bei Piper erschienen und hat 320 Seiten.


Beitragsbild: Frau am Meer, Paul Émile Chabas, 1890

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