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Leseliste 2021: Neuerscheinungen und Fundstücke von meinem SuB

Ich habe in letzter Zeit oft darüber gesprochen, was ich im Historienroman nicht mehr lesen möchte, deshalb ist diese Liste eigentlich überfällig: Hier sind die Romane, die ich lesen möchte. Es ist schwer geworden, historische Romane zu finden, die sich etwas Neues, Kreatives trauen oder zumindest eine dichte, interessante Geschichte abseits von Familiensagas und dem 20. Jahrhundert erzählen. Natürlich ist es bequemer die gängigen Titel zu lesen, denn nach denen muss man deutlich weniger suchen. Ich finde jedoch es lohnt sich die Augen nach Romanen offenzuhalten, die austesten, was das Genre kann und vor allem Epochen und Themen behandeln, die bisher seltener im Mittelpunkt standen.

Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht und nicht nur die aktuellen Neuerscheinungen 2021 nach solchen Büchern durchsucht, sondern auch meinen eigenen Stapel ungelesener Bücher durchforstet: Auch hier haben sich noch einige ungelesene Titel versteckt, die vielversprechend klingen und bei denen ich es schade fände, sie nicht zu lesen, nur weil sie bereits etwas älter sind. Hier ist also meine Leseliste für 2021: Altes, Neues, bunt gemischt und nach Epochen sortiert, weil ich bei der Auswahl darauf achten wollte, vor allem Romane abseits des 20. und späten 19. Jahrhunderts (oder zumindest den gängigen Darstellungen dieser Zeit) vorzustellen, denn diese Epoche gibt es im Moment wirklich im Überfluss, während andere Epochen kaum noch behandelt werden.

Zwei Disclaimer muss ich aber noch loswerden, bevor ich anfange: Da es sich um meine Leseliste handelt, habe ich keines dieser Bücher bisher gelesen und kann deshalb nicht viel über die Inhalte sagen oder darüber, ob schwierige Themen sensibel behandelt werden. Außerdem sind viele englischsprachige Titel dabei. Das finde ich selbst schade, weil diese nicht für alle Leser:innen gleich gut zugänglich sind. Der englischsprachige Markt ist jedoch einfach etwas offener für Neues oder Ungewöhnliches, weshalb ich dort öfter fündig werde. Ich hoffe jedoch, dass zumindest einige der vorgestellten Titel im Lauf der Zeit eine deutsche Übersetzung bekommen werden.


Antike
“A Thousand Ships” von Natalie Haynes

Inhalt: Troja ist gefallen. Der endlos scheinende Krieg zwischen Troja und Griechenland ist vorbei. “A Thousand Ships” erzählt das Nachspiel des Trojanischen Krieges aus der Sicht der Frauen der Ilias, zum Beispiel Kalliope und Penelope, deren Leben durch den Krieg gezeichnet sind.

Ich habe das Buch ausgewählt, weil mir der neue Trend griechische Mythologie aus der Sicht der Frauenfiguren zu erzählen sehr gefällt und Natalie Haynes’ neuer Roman jetzt schon als “woman’s epic” gefeiert wird. Der feministische Blick auf Geschichte und Mythologie, die meist aus männlicher Perspektive erzählt wird, ist nicht nur wichtig, sondern auch interessant. Gepaart mit der Thematik von Troja als gefallener Stadt, die jetzt von den Griechen erobert wird, klingt “A Thousand Ships” nach einem spannenden Epos irgendwo zwischen Historienroman und Fantasy, weshalb ich mir das Buch sofort kaufen musste.


Renaissance 

“City of Vengeance” von D.V. Bishop 

Inhalt: Florenz, 1536. Ein mächtiger Geschäftsmann wird in seinem Haus ermordet. Der ehemalige Soldat Cesare Aldo soll den Fall vorm Fest der Heiligen Drei Könige lösen, doch bei seinen Ermittlungen stolpert er über eine Verschwörung, die keinen Geringeren als Alessandro de’ Medici stürzen soll…

Ich habe das Buch ausgewählt, weil ich mir schon lang wieder mehr Bücher wünsche, die im Italien der Renaissance spielen. Dieser Krimi scheint nicht nur einen komplex recherchierten historischen Hintergrund mitzubringen, sondern auch einen LGBTQ-Protagonisten – Und eine Empfehlung von Histolicious, der ich bei Büchern immer vertraue. Dass auf dem Cover eine weitere Empfehlung von Sarah Maine zu finden ist, einer Lieblingsautorin von mir, hat die Sache dann endgültig besiegelt: Ich muss dieses Buch lesen und zwar am besten gestern.


17. Jahrhundert
“A Net for Small Fishes” von Lucy Jago

Inhalt: 1609, am Hof von James I. trifft die unglücklich verheiratete Adelige Frances Howard auf die clevere Witwe Anne Turner. Die Frauen freunden sich an und beginnen am Königshof für Furore zu sorgen – Was ihnen mächtige Feinde einbringt und bald zum Skandal führt.

Ich habe das Buch ausgewählt, weil das frühe 17. Jahrhundert in England eine meiner Lieblingsepochen ist und es sich bei dem Skandal rund um Frances Howard um einen echten Skandal handelt – Der Roman bringt also einen spannenden historischen Kontext mit. Hinzu kommt, dass ich lange keinen historischen Roman entdecken konnte, der so sehr nach Court Intrigue klang wie dieser. Der Vergleich mit “The Favourite“, einem meiner Lieblingsfilme, hat es dann besiegelt: Auch diesen Roman musste ich sofort haben. Ich bin sehr gespannt, wie die Autorin den Skandal und vor allem die Freundschaft zwischen Frances und Anne aufarbeiten wird und erhoffe mir  natürlich viele spannende Intrigen.


“Im Schatten der Macht” von Elizabeth Fremantle

Inhalt: 1615. Frances und ihr Ehemann Robert stehen nach einem großen Skandal am Königshof vor Gericht: Sie, die schöne, junge Adelige, er, der ehemalige Geliebte des Königs James I. Als die beiden realisieren, dass nur einer von ihnen lebend aus dem Skandal hervorgehen wird, werden aus dem ehemaligen Paar erbitterte Feinde.

Ich habe das Buch ausgewählt, weil ihr euch nicht verlesen habt: Es geht hier um dieselben Personen und denselben Skandal wie in “A Net for Small Fishes”. Bestseller-Autorin Elizabeth Fremantle geht den Skandal und die Figur Frances Howard jedoch von einer ganz anderen Seite an und erzählt ihren Roman aus den wechselnden Perspektiven von Frances und ihrem Ehemann Robert Carr, dem ehemaligen Favoriten und Liebhaber des Königs James I. Ich bin vor allem gespannt, wie sie die komplizierten Beziehungen im Liebesdreieck Robert – James – Frances in diese Geschichte über Intrigen und Verrat einbauen wird. Diese deutsche Ausgabe erscheint im Juli, die englischsprachige Ausgabe “The Poison Bed” liegt jedoch schon etwas länger auf meinem SuB.


18. Jahrhundert
“Confessions of the Fox” von Jordy Rosenberg

Inhalt: London, 1724. Als sich Jack unsterblich in Bess verliebt, lernt er die Londoner Unterwelt kennen und wird bald zu Jack Shepard, dem berüchtigtsten Dieb der Stadt. Knapp dreihundert Jahre später verteidigt der Historiker Voth Jacks verlorengeglaubte Aufzeichnungen gegen skrupellose Feinde…

Ich habe dieses Buch ausgewählt, weil Jordy Rosenbergs Roman über den realen Meisterdieb Jack Shepard und die berüchtigte Sexworkerin Bess Lyon wie ein spannendes historisches Abenteuer klingt, das eine Heist-Geschichte mit Coming-of-Age verbindet. Zudem schreibt Rosenberg Jack Shepard als trans Mann und hat für den Roman die LGBTQ-Szene Londons im frühen 18. Jahrhundert recherchiert. Ich kann mit Gewissheit sagen, dass ich noch von keinem anderen Historienroman gehört habe, der so klingt wie “Confessions of the Fox” und allein deshalb möchte ich das Buch unbedingt lesen.


“The Fair Fight” von Anna Freeman

Inhalt: Bristol im 18. Jahrhundert. Ruth wurde in einem Bordell in Armut geboren und erwartet nicht viel vom Leben. Charlotte stammt aus gutem Hause, wird jedoch wegen ihrer Pockennarben gemieden. Im Boxsport finden die beiden Frauen neue Hoffnung.

Ich habe das Buch ausgewählt, weil es ein so eigenes Thema behandelt. Bare-Knuckle-Boxing sieht man in historischer Fiktion öfter, aber selten mit weiblichen Boxerinnen in den Hauptrollen. “The Fair Fight” klingt darüber hinaus nach genau der Art historischem Roman, die ich oft vermisse: Schicksals- und Abenteuerroman in einem, vor der Kulisse Bristols im 18. Jahrhundert. Ich habe noch nie etwas von der Autorin gelesen, weshalb ich sehr gespannt auf ihren Stil bin, weiß jedoch bereits, dass es in dem Roman neben dem feministischen Thema auch LGBTQ-Figuren geben wird und bin auch hier sehr auf die Umsetzung gespannt.


“The Intoxicating Mr Lavelle” von Neil Blackmore

Inhalt: England, 18. Jahrhundert. Als die Brüder Benjamin und Edgar Bowen zu einer Grand Tour über den Kontinent aufbrechen, werden sie von der europäischen High Society bloß verlacht. Doch alles ändert sich als Benjamin den berühmt-berüchtigten Horace Lavelle besser kennenlernt.

Ich habe das Buch ausgewählt, weil es meine Lieblingsart Historienroman ist: Ein Porträt einer Epoche und seiner Gesellschaft, kritisch und bissig erzählt. Dass es sich um einen LGBTQ-Roman handelt, von denen es im Genre deutlich zu wenig gibt, ist natürlich ein weiteres Plus. Der Roman wurde bereits mit “Der talentierte Mr Ripley” von Patricia Highsmith verglichen und als düster, dekadent und sogar grausam beschrieben… Wie könnte ich bei solch einer Mischung Nein sagen? Eine Honourable Mention an dieser Stelle auch für den nächsten Roman des Autors, “The Dangerous Kingdom of Love”, der im Juli diesen Jahres erscheinen wird und der mich auch sehr interessiert.


19. Jahrhundert
“Now We Shall Be Entirely Free” von Andrew Miller

Inhalt: Somerset, 1809. Der Soldat John Lacroix kommt aus dem desaströsen Krieg gegen Napoleon in Spanien nach Hause. Während er seine körperliche Gesundheit zurückerlangt, kann er jedoch nicht verarbeiten, was er im Krieg gesehen hat. Um jeden Preis möchte er vergessen, was nach der Schlacht von La Coruña passiert ist…

Ich habe das Buch ausgewählt, weil Andrew Miller der Autor von “Friedhof der Unschuldigen” ist, einem meiner absoluten Lieblingsbücher. In “Now We Shall Be Entirely Free” widmet er sich einem Thema, das ich schon lange sehr spannend finde: Der dunklen Seite der oft romantisierten Regency-Epoche und den Napoleonischen Kriegen und ihren Folgen. Ich freue mich schon noch einmal Andrew Millers poetischen, unvergleichbar schönen Schreibstil zu lesen und natürlich auch auf seine Herangehensweise an diese Epoche und dieses Thema, die ähnlich düster klingt wie in “Friedhof der Unschuldigen”.


“Herzland” von Téa Obreht

Inhalt: Arizona, 1890. Nora Larks Farm wird von Dürre und mächtigen Viehzüchtern bedroht, die es auf das Land abgesehen haben. Gleichzeitig glaubt ihr Sohn, nachts eine Bestie über die Ländereien schleichen zu sehen. Der Gesetzlose Lurie Mattie hingegen begibt sich in ganz besonderer Gesellschaft auf einen Treck durch den amerikanischen Westen…

Ich habe das Buch ausgewählt, weil es nach einem sehr besonderen Western klingt, der Americana Gothic mit einem Blick hinter die Kulissen des romantisierten American Dream verbindet. Als jemand, der die Idee des Westerngenres liebt, meistens aber nicht die Umsetzung, bin ich sehr gespannt auf “Herzland” und was der Roman über Wild-West-Klischees, die düsteren Seiten der amerikanischen Geschichte und die Verbindung von übernatürlichen Elementen und Historienroman zu sagen hat. Da das Buch aber unter anderem mit Sarah Perrys unglaublichem Gothic-Roman “Melmoth” verglichen wurde, bin ich bester Hoffnung, dass “Herzland” ein Highlight werden könnte.


20. Jahrhundert
“Meine Zeit mit Eleanor” von Amy Bloom

Inhalt: Im Jahr 1932 trifft die Journalistin Lorena Hickock auf First Lady Eleanor Roosevelt, während sie über die Wahlkampagne von Franklin Roosevelt berichtet. Die Frauen verlieben sich ineinander und bald zieht “Hick” im Weißen Haus als “First Friend” Eleanors ein…

Ich habe das Buch ausgewählt, weil ich Eleanor Roosevelt als First Lady und Aktivistin sehr interessant finde und persönlich zwar schon viel über Eleanor gelesen habe, aber noch keinen Roman über ihre reale romantische Beziehung mit der berühmten Journalistin Lorena “Hick” Hickock, die sogar mit Eleanor und ihrem Ehemann im Weißen Haus lebte. Ich bin nicht ganz sicher, was ich mir von diesem Roman erwarte, bin aber gespannt auf den fiktiven Einblick in das Leben von Eleanor Roosevelt und Hick.


“Last Night at the Telegraph Club” von Malinda Lo

Inhalt: San Francisco, 1954. Die 17-jährige Lily Hu verliebt sich in ihre Freundin Kathleen, doch Amerika zur Zeit der Roten Angst ist kein sicherer Ort für sie: Ihr Vater droht deportiert zu werden und auch Lily und Kath selbst sind in Gefahr. Trost findet Lily unter anderem in der lesbischen Bar Telegraph Club im Herzen von Chinatown.

Ich habe das Buch ausgewählt, weil es nicht nur eine lesbische Coming-of-Age-Geschichte vor dem Kontext der 1950er Jahre ist, sondern auch die Geschichte einer Tochter chinesischer Einwanderer, San Francisco, China Town und antikommunistischer Verfolgung im Amerika der 1950er Jahre. “Last Night at the Telegraph Club” basiert auf der Kurzgeschichte “New Year”, die 2018 in der Anthologie “All Out” erschien und meiner Meinung nach die mit Abstand beste Geschichte im ganzen Band war. Deshalb bin ich sehr gespannt was Own-Voices-Autorin Malinda Lo mit dem Stoff in Romanlänge noch alles machen kann und freue mich ganz generell auf ein neues Buch einer Lieblingsautorin.


“Who Is Vera Kelly?” von Rosalie Knecht

Inhalt: New York, 1962. Vera Kelly möchte nur ihre nächste Miete zusammenbekommen und in die LGBTQ-Untergrundszene in Greenwich Village hineinpassen. Als sie vom CIA rekrutiert und als Spionin nach Buenos Aires geschickt wird, ahnt sie nicht, wie brüchig der Frieden wirklich ist…

Ich habe das Buch ausgewählt, weil Spionage- und Heistromane eine weitere Leidenschaft von mir sind, von der ich im historischen Roman gern mehr sehen würde. Die 1960er kratzen zwar haarscharf an allen Definitionen des Genres, doch der historische Hintergrund rund um die Konsequenzen der Revolución Libertadora machen “Who Is Vera Kelly” für mich eindeutig zu einem historischen Roman. Mich hat die Begeisterung für diese lesbische Spionin gleich gepackt, genauso wie das Interesse an der spannend klingenden Spionagehandlung, die jüngere südamerikanische Geschichte in den Mittelpunkt rückt.


Beitragsbild: “Reading on the Garden Path”, Albert Aublet, 1883

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