Auch im Sommer lese ich natürlich sehr gern historische Romane: Am liebsten solche, die ebenfalls im Sommer und vielleicht sogar an Urlaubsorten spielen. Allerdings sind diese gar nicht so leicht zu finden. Deshalb stelle ich euch heute meine fünf liebsten historischen Sommerromane vor – und ein Buch, das ich noch nicht gelesen habe, aber das weit oben auf meiner eigenen Leseliste für den Sommer steht. Ich habe versucht, was Epochen, Settings und Genres angeht für ein bisschen Abwechslung zu sorgen, damit für jede_n etwas dabei ist.

Ich werde versuchen im Verlauf der nächsten Wochen zu jedem der Romane auf dieser Liste auch eine vollständige Rezension zu schreiben. Ich hoffe jedoch, dass euch auch die Kurzbesprechungen schon einmal weiterhelfen, einen historischen Roman für gelungenen Lesespaß im Sommer zu finden. Lasst mir auch gern einen Kommentar da, falls ihr noch weitere Sommer- und Urlaubsromane mit historischem Setting kennt, die ihr entweder gern gelesen habt oder noch unbedingt lesen wollt. Ich bin gespannt auf eure Buchtipps!


“Die Tote mit dem Diamantcollier” von Eve Lambert

Nicht nur war Eve Lamberts erster Roman um die glamouröse Privatdetektivin Jackie Dupont eines meiner Lesehighlights im letzten Jahr, der Roman eignet sich auch perfekt zur historischen Sommerlektüre: Gemeinsam mit Jackie reist man im Sommer 1920 nach Monaco, wo eine Segelyacht vor der Küste liegt, auf der sich einige Mitglieder der High Society für eine Party versammelt haben. Als die Gastgeberin jedoch tot aufgefunden wird, kommen Jackie und ihre extravaganten Ermittlungsmethoden ins Spiel.

“Die Tote mit dem Diamantcollier” ist ein intelligenter, gemütlicher Kriminalroman, der mit einem Augenzwinkern erzählt ist. Jackies überspitzte Persönlichkeit sorgte bei mir genauso für Lacher, wie die markanten Charaktere, die in den Mord an der Gesellschaftsdame Clara Tush verwickelt sind. Mir hat zwar leider nicht alles gefallen, wie ihr in meiner Rezension nachlesen könnt, aber trotzdem ist der erste Band rund um Jackie ein ungewöhnlicher, mehr als lesenswerter Auftakt einer historischen Krimireihe, die ich gespannt verfolgen werde.

Auf ins schillernde Monaco der frühen Zwanziger! “Die Tote mit dem Diamantcollier” ist ein perfekter Sommerroman, weil er einen nicht nur durch sein tolles Setting an der Französischen Riviera zu einer Reise im Kopf mitnimmt, sondern auch auf eine detailverliebte Zeitreise an die Schwelle zwischen der Belle Époque und den Goldenen Zwanzigern. Wer diesen Sommer auf der Suche nach einem lustigen historischen Krimi mit Urlaubssetting für den Urlaub auf dem Balkon ist, sollte es mit Jackies erstem Fall versuchen.

“Die Tote mit dem Diamantcollier” ist 2019 bei Penguin erschienen.


“Das Erdbeermädchen” von Lisa Strømme

Du interessierst dich nicht für Sommer, Sonne und Strand, sondern eher für das kühlere Skandinavien? Auch in diesem Fall habe ich einen Buchtipp für dich. “Das Erdbeermädchen” steht tatsächlich noch auf meiner eigenen Leseliste für den Sommer, weshalb ich noch keine Empfehlung aussprechen kann. Vorstellen wollte ich euch den Roman jedoch trotzdem, denn “Das Erdbeermädchen” besticht durch sein eigenes, eher ungewöhnliches Setting.

Der Roman spielt 1893, zur Hochzeit des fin de siècle, im kleinen norwegischen Küstendorf Åsgårdstrand. Hier werden die reichen Sommergäste erwartet, unter anderem die Familie des Admirals Ihlen. Als seine Tochter Tullik eine Affäre mit dem noch unentdeckten und von der Dorfgemeinschaft gemiedenem Maler Edvard Munch beginnt, droht die Gesellschaft von Åsgårdstrand daran zu zerbrechen.

Ein südnorwegisches Fischerdorf im fin de siècle. Ich verspreche mir von “Das Erdbeermädchen” einen Roman über eine faszinierende Zeit, die Belle Époque, aber auch über skandinavische Kunst und Kultur in dieser Epoche, die mir durch mein Studium in Norwegen sehr ans Herz gewachsen sind. Außerdem scheint sich der Roman mit der zweischneidigen Gesellschaft der Epoche auseinanderzusetzen. Wer seine historischen Romane also lieber ein bisschen ernster mag und sich für die Sommerfrische in Norwegen interessieren kann, könnte hier richtig sein.

“Das Erdbeermädchen” ist 2017 übersetzt von Marie Rahn bei Heyne erschienen. Die britische Originalausgabe “The Strawberry Girl” ist von 2016.


“Zwei bemerkenswerte Frauen” von Tracy Chevalier

In meinem Lieblingsroman der Bestsellerautorin geht die Reise an die raue südenglische Küste: Nach Lyme Regis. Auch hier steht eine reale historische Persönlichkeit im Mittelpunkt: Mary Anning, die Paläontologin, die hier in der Mitte des 19. Jahrhunderts Fossilienfunde vom Strand verkauft und untersucht. Ich-Erzählerin ist die ebenfalls reale Elizabeth Philpot, die Mary in diesem Roman im Jahr 1830 kennenlernt und ebenfalls ihre Leidenschaft für Fossilien entdeckt.

Tracy Chevalier schreibt gewohnt leicht und bewegend über die beiden Wissenschaftlerinnen und natürlich über die eigenwillige südenglische “Jurassic Coast”, die bis heute als Fundort vieler prähistorischer Fossilien, sowie als beliebter Urlaubsort, berühmt ist. Wer einen gut recherchierten, emotionalen Sommerroman sucht, in den man sich hineinfallen lassen kann, ist hier genauso richtig, wie alle Fans von Südenglands Küste.

Südengland im frühen 19. Jahrhundert ist eine Reise wert! Wer im Sommer lieber Muscheln sammelt und Museen besucht als am Strand zu liegen, ist bei “Zwei bemerkenswerte Frauen” richtig. Im Mittelpunkt steht die Freundschaft der beiden Frauen, aber auch ihre wissenschaftlichen Forschungen und natürlich das atemberaubende Setting vor der Steilküste von Lyme Regis kurz vor dem viktorianischen Zeitalter und der Entdeckung des Ortes als Seebad.

“Zwei bemerkenswerte Frauen” erschien 2013 übersetzt von Anne Rademacher bei Knaus. Die amerikanische Originalausgabe “Remarkable Creatures” ist von 2009.


“Romeos Schatten” von Melinda Taub

Es soll etwas romantischer sein? Dann könnte “Romeos Schatten” von Melinda Taub genau das richtige sein. Die Autorin erzählt aus der Sicht von Romeos erster Geliebten Rosalinde was nach dem brutalen Sommer und dem Tod von Romeo und Julia in Verona geschieht. Nun ist Spätsommer und leider hat die Tragödie rund um Romeo und Julia den Konflikt zwischen den Montagues und den Capulets nicht vollends aus der Welt geschafft…

Melinda Taub lässt ihren Roman, ähnlich wie Shakespeare selbst, nicht im realen Italien der Renaissance spielen, sondern in einer etwas verzerrten Traumversion davon. Im Herzen ist “Romeos Schatten” eine Liebesgeschichte, angereichert mit spannenden Intrigen und natürlich der Fehde zwischen den beiden großen Familien von Verona. Gemeinsam mit Benvolio versucht Rosalinde den Konflikt am erneuten Eskalieren zu hindern. Doch ist das überhaupt möglich?

Ein heißer Spätsommer in Shakespeares Verona des 14. Jahrhunderts! Melinda Taub gelingt ein atmosphärischer Mix aus Liebesgeschichte und blutigen politischen Fehden, in dessen Mittelpunkt eine Figur steht, die in Shakespeares “Romeo und Julia” deutlich zu kurz kam. Gleichzeitig romantisch und blutig schafft sie außerdem ein faszinierendes Renaissancesetting irgendwo zwischen echter Geschichte und Shakespeares Bühne. Wer seine historische Sommerreise lieber spannend und voller Intrigen antreten möchte, sollte hier zugreifen.

“Romeos Schatten” erschien 2014 übersetzt von Angela Koonen bei Bastei Lübbe. Die deutsche Ausgabe ist nur noch antiquarisch erhältlich. Die amerikanische Originalausgabe “Still Star-Crossed” von 2013 ist jedoch noch regulär als Buch und eBook erhältlich.


“An Appetite for Violets” von Martine Bailey

Dass ein Sommerroman auch düster sein kann, beweist Martine Bailey mit “An Appetite for Violets”: Unter der heißen italienischen Sonne entdeckt die junge Köchin Biddy nach und nach die dunklen Geheimnisse ihrer Herrin Lady Carinna, die sie zwingt von England über Frankreich mit ihr in die Toskana zu reisen. Biddy hält die Ereignisse während der rätselhaften Reise in einem alten Kochbuch fest und die Rezepte für Gerichte und Süßigkeiten – zum Beispiel Veilchenbonbons – aus dem 18. Jahrhundert runden den Roman ab.

Der Roman ist eine klassische Gothic-Geschichte voller düsterer Geheimnisse, unheimlicher Geschehnisse und komplexer Figuren, von denen kaum eine ist, wer sie zu sein scheint. Martine Bailey schildert Biddys und Carinnas beschwerliche Reise nach Italien mit einem Blick für historische Details in bildgewaltiger Sprache. Nebenbei steht außerdem der indonesische Bedienstete Mr. Loveday im Mittelpunkt, in dessen Lebensgeschichte sich einiges an komplexer Kritik am Kolonialismus findet.

Eine Reise in die Toskana am Ende des 18. Jahrhunderts. “An Appetite for Violets” ist ein düsterer, spannender Gothic-Roman über die Abgründe der menschlichen Psyche, dunkle Geheimnisse und nicht zuletzt Kolonialismus und seine Folgen. Zwischen den unheimlichen Ereignissen, die sich in den Hügeln der Toskana abspielen, und Lovedays Erinnerungen an sein Leben auf Java, ist “An Appetite for Violets” ein bittersüßer, düsterer Sommerroman für alle Leser_innen, die komplexe Schauergeschichten mögen und zu einem Veilchenbonbon nicht nein sagen würden.

“An Appetite for Violets” ist 2013 bei Thomas Dunne Books erschienen. Eine deutsche Ausgabe erschien ebenfalls 2013, übersetzt von Juliane Pahnke als “Das Schatzbuch der Köchin” bei Rowohlt, ist jedoch nur noch antiquarisch erhältlich.


“Grand Hotel Angst” von Emma Garnier

Wem subtiler Gothic-Schauer auch im Sommer noch nicht gruselig genug ist, dem kann ich “Grand Hotel Angst” von Emma Garnier ans Herz legen: Auch dieser Roman entführt in die Belle Époque: 1899 reist die frisch verheiratete Nell mit ihrem Mann an die Küste von Ligurien, um dort ihre Flitterwochen im Luxushotel Angst zu verbringen. Als dort jedoch ein Mord geschieht, kommen düstere Geheimnisse ans Licht, in die auch Nells Mann verwickelt ist…

Das Grand Hotel Angst an der italienischen Riviera war in der Belle Époque tatsächlich ein beliebtes Reiseziel der britischen Oberschicht: Diesem realen Schauplatz haucht Emma Garnier mit ihrem Gothic-Thriller neues Leben ein. Zwischen dekadentem Belle-Époque-Luxus, einem Mord, den Geheimnissen von Nells Mann und einer gruseligen Legende ist hier trotz des sommerlichen Settings Gänsehaut angesagt.

Zittern an der italienischen Riviera in der Belle Époque! Wer sich auch im Sommerurlaub mit einem passenden Buch gruseln möchte, sollte sich Emma Garniers “Grand Hotel Angst” unbedingt genauer ansehen. Auch dieser Roman steht diesen Sommer auf meiner eigenen Liste: Ich möchte ihn ein zweites Mal lesen, da es schon ein bisschen her ist, dass ich mich mit Nell im luxuriösen Grand Hotel gegruselt habe. Der Mix zwischen schillernder Belle Époque, Sommer-Feeling und Grusel-Thriller gelingt hier allemal.

“Grand Hotel Angst” ist 2017 bei Penguin erschienen.


Beitragsbild: “Dame mit Strohhut”, Ernest Castelein, 1906 | “Strand von Skagen”, Peder Severin Krøyer, 1893