Henry “Monty” Montague was born and bred to be a gentleman, but he was never one to be tamed. The finest boarding schools in England and the constant disapproval of his father haven’t been able to curb any of his roguish passions—not for gambling halls, late nights spent with a bottle of spirits, or waking up in the arms of women or men. But as Monty embarks on his Grand Tour of Europe, his quest for a life filled with pleasure and vice is in danger of coming to an end.

Not only does his father expect him to take over the family’s estate upon his return, but Monty is also nursing an impossible crush on his best friend and traveling companion, Percy. Still it isn’t in Monty’s nature to give up. Even with his younger sister, Felicity, in tow, he vows to make this yearlong escapade one last hedonistic hurrah and flirt with Percy from Paris to Rome. But when one of Monty’s reckless decisions turns their trip abroad into a harrowing manhunt that spans across Europe, it calls into question everything he knows, including his relationship with the boy he adores.


Inhaltswarnung
Darstellungen von Rassismus und Ableismus, Nutzung des N-Worts, häusliche Gewalt, Suizidgedanken

Meine Gedanken

Ich habe Mackenzi Lees “Gentleman’s Guide” kurz nach dem Erscheinen der deutschen Ausgabe 2017 schon einmal rezensiert, habe mittlerweile aber einen ganz anderen Blick auf den Roman. Das hängt einerseits mit den diversen “Skandalen” zusammen, in die die Autorin in den letzten Monaten verwickelt war, denn diesen Kontext kann man schlecht ignorieren. Größtenteils hat sich aber mein Blick auf das Genre geändert und vor allem auf die Tropes, die Lee im “Gentleman’s Guide” bedient.

Mackenzi Lee hatte hier gute Absichten: Sie wollte inklusive historische Fiktion schreiben. Ihr Held Henry Montague, kurz Monty, ist bisexuell und in seinen besten Freund Percy verliebt: Percy ist schwarz und hat Epilepsie. Gemeinsam mit Percy und seiner Schwester Felicity bricht Monty im frühen 18. Jahrhundert zu einer Grand Tour durch Europa auf, die eigentlich eine Art verlängerter Partyurlaub werden soll, aber die Gruppe mit Wegelagerern, Piraten und der Suche nach einem geheimnisvollen Relikt konfrontiert.

Humor und Problematiken

Was ich an “The Gentleman’s Guide” so schade finde ist, dass das Potential für einen inklusiven historischen Roman da war, aber was die Autorin schlussendlich aus der Geschichte macht war zumindest für mich enttäuschend. Der Roman hat seine Momente: Montys Ich-Erzählung ist oft lustig und ich mochte die Abenteuergeschichte, die sich entspinnt, als Monty, Percy und Felicity ihren Aufpasser verlieren und sich allein ohne Geld oder einen Reiseplan durch das barocke Europa schlagen müssen.

Ich wünschte, der Roman wäre einfach dieses Buch gewesen: Eine inklusive Gruppe Figuren, die ein großes Abenteuer erlebt, humorvoll, locker, spannend. Das macht der Roman auch, aber leider versucht er gleichzeitig Problematiken wie Rassismus und Ableismus anzusprechen und das macht er deutlich zu plump. Immer wieder wird Percy mit “Bilderbuch”-Rassismus konfrontiert: Weiße Adelige, die nur für diesen Zweck überhaupt eine Rolle im Roman haben, schauen auf ihn herunter und benutzen das N-Wort.

Wirklich schlimm finde ich das in dem Moment, in dem Percy zum “Lernobjekt” für den weißen, adeligen Ich-Erzähler Monty wird. Monty ist die Figur, in deren Kopf man den gesamten Roman über steckt und mit dem man mitfühlen soll. Monty ist aber auch eine Figur, die vom Sklavenhandel – in den England um 1720 als dominante Macht verwickelt ist – nichts wissen will und die selbst bis ganz zum Schluss ableistische Muster an den Tag legt. Monty will Percy unbedingt von seiner Epilepsie “heilen”, obwohl Percy deutlich sagt, dass er das nicht wünscht.

Deshalb hat auch die Liebesgeschichte für mich nicht funktioniert, denn das Machtverhältnis zwischen Monty und Percy hat eine deutliche Schieflage. Monty verdient Percy nicht als Partner und, so wie er sich für einen Großteil der 500 Seiten verhält, auch nicht als Freund. Monty lügt und betrügt, er lässt Percy im Stich, Percy muss einen Haufen Kraft investieren, um überhaupt mit Monty auszukommen, bis dieser endlich nicht mehr die Augen vor dem verschließt, womit Percy ständig konfrontiert wird und leben muss.

Gute Absichten, zu viele Klischees

Besonders schwer im Magen liegt mir das, weil die Autorin sehr selektiv damit umgeht, wann sie “historisch korrekte” Diskriminierung zeigt und wann nicht. Ganz oder gar nicht, würde ich sagen, und gar nicht wäre mir deutlich lieber gewesen. “Gentleman’s Guide” verspricht der lustige, lockere Abenteuerroman mit marginalisierten Figuren zu sein, von denen es im Genre deutlich zu wenig gibt. Und das ist er auch oft. Aber er hebelt sich selbst aus, indem er Percy immer wieder in die Opferrolle drängt, ihn nicht mal einfach sein lässt.

Am Ende tappt der Roman in dieselbe Falle, in die historische Romane über marginalisierte Menschen so oft tappen: Percy ist an sich ein spannender, interessanter Charakter, doch er wird über die Diskriminierung definiert, die er erlebt, und das macht ihn zur Karikatur. Montys Ignoranz seinen eigenen Privilegien gegenüber hätte, wenn subtiler und authentischer gestaltet, eine Botschaft senden können, wenn Monty nicht der Ich-Erzähler wäre, mit dem man mitfühlen soll, während er diese Privilegien ohne Rücksicht auf andere auslebt.

“The Gentleman’s Guide to Vice and Virtue” ist kein schlechter Roman. Er lässt marginalisierte Menschen Held_innen sein, die im Mittelpunkt dieses Abenteuers stehen. Er verzichtet auf düstere Tragik und setzt auf Spannung und Humor. Davon möchte ich im Genre mehr sehen. Viel mehr. Gleichzeitig verliert er sich aber auch in denselben Klischees, die das Genre für LGBTQ oder BI_PoC so schwierig machen, subtiler als andere Romane, aber doch sehr spürbar. Und deshalb fällt das Kartenhaus leider ein Stück weit in sich zusammen.


Eine deutsche Ausgabe ist 2017 unter dem Titel “Cavaliersreise”, übersetzt von Gesine Schröder, im Königskinder-Verlag erschienen und als eBook noch erhältlich.


The Gentleman’s Guide to Vice and Virtue | Katherine Tegen Books, 2017 | 9780062382801 | 513 Seiten | Englisch