Just beyond the Gilded Age, in the mist-covered streets of New York, the deadly Spanish influenza ripples through the city. But with so many victims in her close circle, young socialite Allene questions if the flu is really to blame. All appear to have been poisoned—and every death was accompanied by a mysterious note. Desperate for answers and dreading her own engagement to a wealthy gentleman, Allene returns to her passion for scientific discovery and recruits her long-lost friends, Jasper and Birdie, for help…


Inhaltswarnung:
Graphische Darstellung von Krankheit und Tod, sexualisierte Gewalt, tödliche Krankheiten (Krebs)

Meine Gedanken

Lydia Kangs Krimi “A Beautiful Poison” nimmt die Leser.innen in eine sehr interessante Zeit mit: New York City in der Schwebe zwischen Gilded Age und den Goldenen Zwanzigern, die bereits am Horizont zu sehen sind. Das Jahr 1918 ist eine düstere Zeit für New York. Der Erste Weltkrieg tobt noch immer und immer mehr junge Männer werden nach Europa in den Krieg geschickt. Zudem bricht die Spanische Grippe in New York aus: Die Pandemie, die in nur wenigen Jahren 3-5% der gesamten Weltbevölkerung das Leben kostete.

“A Beautiful Poison” ist ein sehr düsterer Roman. Das Thema Tod steht im Mittelpunkt, denn im Jahr 1918 betrifft es alle: Menschen wie Birdie, die in einer Uhrenfabrik arbeitet und sich, ihre kleine Schwester und ihre kranke Mutter nur schwer über die Runden bringen kann, genauso wie Allene Cutter, New Yorks reichste und einflussreichste junge Dame, die sich gerade verlobt hat. Besonders in Allenes Geschichte klingt die gerade erst vorbei gegangene Belle Époque nach, während sich aber bereits große Veränderungen ankündigen.

Überhaupt setzt der Roman die Epoche sehr schön in Szene. Man kann in diese Zeit richtig abtauchen, doch oft möchte man das gar nicht, denn es ist eine sehr traurige, düstere Zeit, gezeichnet vom Krieg, von der Spanischen Grippe und von großen gesellschaftlichen Umwälzungen, die die drei Held.innen nicht unberührt lassen. Lydia Kang ist selbst Ärztin, sodass die vielen medizinischen Aspekte der Geschichte genauso gut recherchiert und authentisch sind, wie das historische New Yorker Setting.

Düsterer Krimi mit moralisch grauen Figuren

Am Anfang hatte ich ein paar Probleme mit den drei Hauptfiguren warm zu werden, weil keine.r von ihnen wirklich sympathisch ist. Das ist jedoch Absicht. Allene ist die egozentrische, etwas weltfremde reiche junge Dame, die nicht gut damit umgehen kann, dass durch den Krieg und die Pandemie Dunkelheit in ihre glitzernde Welt gelangt. Jasper war einst ebenfalls Teil dieser Welt, hat jedoch alles verloren und ist jetzt Hausmeister im Bellevue-Krankenhaus, wo er eigentlich Medizin studieren wollte. Für dieses Ziel würde er alles tun.

Nur Birdie war mir tatsächlich einigermaßen sympathisch, bis sie im Verlauf des Romans Entscheidungen trifft, die dies wieder geändert haben. Obwohl ich die Figuren nicht sonderlich mochte (nur Allene ist mir zum Ende hin ans Herz gewachsen), fand ich sie interessant und wollte unbedingt wissen, was aus ihnen wird und welche Geheimnisse sie verbergen. Auch die Nebenfiguren, wie zum Beispiel den naiven Ernie Fielding, fand ich sehr spannend, oder die Zofe Lucy, über deren Leben abseits der High Society man ebenfalls viel erfährt.

“A Beautiful Poison” ist kein gewöhnlicher Krimi. Ich fand den Kriminalfall sehr gut durchdacht: Jemand im Umfeld von Allene, Jasper und Birdie beginnt, Menschen umzubringen, die den dreien “im Weg stehen”. Die Geschichte hat einen etwas makaberen, sehr dunklen Ton, der zum Ende hin noch intensiver wird. Ich habe einige Sachen zwar vorhersehen können, aber ich bin nicht darauf gekommen wer am Ende für die Morde verantwortlich war und vor allem warum, sodass der Roman für mich immer spannend blieb.

New York 1918, authentisch in Szene gesetzt

Am Ende ist “A Beautiful Poison” ein ungewöhnlicher, aber sehr dicht erzählter Krimi, der vorrangig ein düsteres, aber authentisches Bild von New York im Jahr 1918 malt. Gemeinsam mit Allene, Birdie und Jasper entdeckt man die Stadt und die Epoche. Über Jasper erfährt man auch viel darüber, wie Medizin zur Zeit der Spanischen Grippe funktionierte. Die historischen Figuren Dr. Gettler und Dr. Norris, die beide als Pioniere der forensischen Chemie und Toxikologie gelten, haben große Rollen im Roman, was ich sehr interessant fand.

Auch spannend fand ich, wie Lydia Kang mühelos mehrere Lebensrealitäten in diesem Roman vereint: Allene als reiche Gesellschaftsdame, Jasper als in Ungnade gefallener Gentleman zwischen den Welten, und vor allem Birdie, als Fabrikarbeiterin, die mit Radium arbeitet. Hier verarbeitet Lydia Kang auch gekonnt die Geschichte der “Radium Girls”: Genau wie die echten Vorbilder macht die Strahlung des Radiums in der Fabrik Birdie sehr krank, doch im Jahr 1918 ist das noch nicht bekannt.

Das alles macht “A Beautiful Poison” zu einem düsteren, faszinierenden Krimi über das New York an der Schwelle zu den 1920er Jahren, der in allen Bereichen gut recherchiert, authentisch und trotz des dunklen Themas sehr lebendig wirkt. Freundschaft, Chemie, Medizin und die dunklen Abgründe dieser Gesellschaft und der menschlichen Psyche spielen eine große Rolle im Roman. Zudem ist er wunderbar eigenwillig und dicht erzählt. Ich würde das Buch allen Fans von historischen Krimis und der Epoche unbedingt empfehlen.


A Beautiful Poison | Lake Union, 2017 | 9781477848876 | 350 Seiten | Englisch