LGBTQ Figuren sind im historischen Roman selten. Viele Autor_innen ziehen sich mehr oder weniger elegant aus der Affäre: “Mein Roman ist historisch, da kann ich das nicht einbauen, denn es war ja verboten“. Dieselben Autor_innen erinnern sich jedoch plötzlich daran, dass queere Menschen schon immer existiert haben, sobald sie eine Figur brauchen, die diskriminiert wird und leidet oder sogar stirbt. Queeres Leid ist im historischen Roman akzeptiert – Queeres Glück nicht. Und ich finde, dass es an der Zeit ist darüber zu sprechen.

Von den letzten fünf historischen Romanen mit queeren Figuren, die ich in den letzten Wochen gelesen habe, bedienten vier die alten Tropes: LGBTQ Figuren wurden entweder gleich brutal ermordet, litten Seite um Seite unter queerfeindlicher Gewalt oder waren Schurk_innen, deren „Verdorbenheit“ durch ihr LGBTQ sein noch unterstrichen werden sollte. Das ist nicht okay. Denn selbst, wenn die meisten Autor_innen sich sicherlich nichts Böses dabei denken, diese Tropes unterstützen diskriminierende Vorurteile.

Ich schreibe dieses Essay heute für Autor_innen von historischen Romanen, aber auch für Leser_innen und für alle Konsument_innen historischer Medien. Ich möchte einerseits aufschlüsseln, warum diese Darstellungen nicht „historisch korrekt“ und auch nicht okay sind und Hilfsmittel anbieten, wie man es besser machen kann und warum das wichtig ist. Ich hoffe, dass ich so vielen Autor_innen wie möglich ein paar Anregungen mitgeben kann, sodass wir bald vielleicht endlich mehr positive LGBTQ-Figuren im historischen Roman erleben.


Am Anfang: Warum das ein Problem ist

Warum ist es denn überhaupt ein Problem, wenn queere Figuren im historischen Roman LGBTQ-feindliche Gewalt erfahren? Ist das nicht „historisch korrekt“? Sollte man das nicht zeigen, wenn es doch “historisch korrekt” ist? Die Sache ist, es ist die Menge, die das Gift macht. Denn natürlich ist historische LGBTQ-Feindlichkeit nicht aus unserer Geschichte wegzudenken. Aber die queere Person, die ihr Leben lang darunter leidet, ist nur eine – sehr extreme – Möglichkeit von dutzenden für ein queeres Leben in der Vergangenheit.

Dass sie die einzige Variante ist, die im historischen Roman gezeigt wird, ist hoch problematisch. Dass sich dieses Trope der leidenden LGBTQ Person, die nicht glücklich werden kann, weil sie queer ist, so durch das Genre zieht, ist auch eine Form von LGBTQ-Feindlichkeit – und zwar moderne, die auf alten Vorurteilen beruht. Einerseits, weil sie eine Praxis aus der Geschichtswissenschaft übernimmt, die auch dort problematisch ist: Das Wegradieren von LGBTQ-Kultur und den Errungenschaften von LGBTQ Menschen aus unserer Geschichte.

Historische Romane sind immer eine Interpretation historischer Epochen.

Andererseits, weil historische Romane immer Interpretationen von Geschichte sind. Und wie wir als moderne Autor_innen Geschichte interpretieren und darstellen, prägt das Geschichtsverständnis unserer modernen Leser_innen. Zeigen wir nur negative – nein, negativste – queere Erfahrungen im historischen Roman, bleibt bei unseren Leser_innen hängen, dass das Leben für LGBTQ Menschen damals gelinde gesagt schrecklich war. Und das hat auch Auswirkungen auf unsere moderne Gesellschaft: Denn wenn das früher so war, dann ist es normal – auch heute.

Am Ende sind diese Tropes ein Ausdruck unserer cis- und heteronormativen Gesellschaft, die sich bis heute nicht vorstellen kann, dass jemand, der von ihren Idealen abweicht, ernsthaft glücklich werden kann. Und so sind die Tropes eben auch queerfeindliche Gewalt: Sie unterstützen das ungleiche Machtgefüge zwischen cis, hetero Menschen und queeren Menschen, denn wo LGBTQ sein als Leid bringend und schamvoll dargestellt wird, werden cis, hetero Held_innen in denselben Romanen oft glücklich und erreichen ihre Ziele.

Dass der historische Roman beinahe nur negative queere Erfahrungen zeigt – Von sozialem Ruin bis hin zur brutalen Ermordung der queeren Figuren – und diese Art von Roman immer wieder veröffentlicht wird, während historische Romane mit positiv dargestellten queeren Held_innen als „Risiko“ gelten und keine Chance auf dem Markt bekommen, solltet ihr euch durch den Kopf gehen lassen. Überlegt, welche Implikationen das hat und wieso wir queeres Leid als etwas wahrnehmen, das im Roman gezeigt werden kann, queeres Glück jedoch nicht. Macht euch das bitte bewusst.


Quellenkritik und das Interpretieren von Geschichte

Links: Die Schauspielerin Charlotte Cushman (l.) lebte mit ihrer Partnerin Matilda Hayes, 1858 | Mitte: Der englische König James I. war LGBTQ, ca. 1606 | Rechts: Der schwule Dichter und Aktivist Edward Carpenter lebte glücklich mit seinem Partner George Merrill, ca. 1910

Um diesen Punkt dann auch gleich beiseite zu kehren: Nein, es ist nicht „historisch korrekt“ LGBTQ Menschen immer nur in die leidende, sterbende Opferrolle zu drängen. Das ist eine Interpretation von LGBTQ-Geschichte im historischen Roman und es ist die schädlichste, negativste, die das Geschichtsverständnis von Leser_innen stark verdreht und sie glauben lässt, LGBTQ zu sein wäre in der Vergangenheit ausnahmslos immer einem trostlosen, von Leid geprägtem Leben gleichgekommen. Praktisch ein Schicksal, dem man gar nicht entkommen konnte.

Eine Verteidigung des Tropes, die ich oft höre ist, dass man historische Diskriminierung als so schlimm zeigen möchte, wie sie war. Das kann ich verstehen, aber dieser Impuls basiert auf einem Irrglauben. Denn genau wie heute waren nicht alle LGBTQ Menschen immer und überall im gleichen Maße von Diskriminierung betroffen. Und ja, man kann – man muss – im historischen Roman auch historische Formen von Diskriminierung darstellen. Alles andere wäre respektlos gegenüber den Menschen, die diese Hürden nehmen mussten, um ein erfülltes Leben zu führen. Aber dazu später mehr.

Autor_innen historischer Medien müssen beginnen, ihre Quellen zu hinterfragen.

Was mir oft auffällt ist, dass Autor_innen von historischen Romanen an ihre Quellen nicht kritisch genug herangehen. Es ist so, dass wir viele Quellen, die tatsächlich von queeren Personen stammten, verloren haben. Warum, das erklärt Sarah Ross in ihrem Essay Queen Anne Is Burning wunderbar. Was uns bleibt sind die Konzepte der nicht selbst betroffenen Mehrheit. Die Konzepte der Unterdrückenden. In vielen Fällen die Konzepte von aktiv LGBTQ-feindlichen Menschen. Diese werden von Autor_innen viel zu oft völlig unkritisch in historische Romane übernommen.

So kommen dann Darstellungen zustande, wie die, die Judith C. Vogt auf Twitter kritisiert hat: Der dekadente Adelige, dessen Verdorbenheit dadurch gezeigt wird, dass er LGBTQ ist. LGBTQ sein als Laster von gelangweilten Reichen, die sich für nichts zu schade sind. LGBTQ sein als rein performativer Akt, niemals als echte Zuneigung und/oder Liebe. Das sind tatsächlich historische Konzepte von LGBTQ. Aber es sind die Konzepte der Unterdrückenden. Sie sind durch und durch in historischer Ignoranz und Diskriminierung getränkt, die man absolut nicht unbesehen in seinen Roman übernehmen sollte.


Queering History: Die andere Interpretation

Aber wie historisch LGBTQ Figuren schreiben, wenn wir kaum Selbstbezeichnungen und Primärquellen von tatsächlichen LGBTQ Menschen haben? Hier kommt eine Technik ins Spiel, die in der Geschichtswissenschaft Anwendung findet, aber auch uns Autor_innen helfen kann: Das Queering. Das bedeutet, dass wir versuchen unsere cis- und heteronormative Gesellschaft einmal abzustreifen und Geschichte durch eine “queere Linse” zu betrachten. Wie genau das geht und warum es eine so wertvolle und wichtige Technik ist, beschreibt Julia Ftacek in ihrem Essay The Body As Rorschach.

Wir interpretieren nun also anhand der Hinweise die wir in historischen Quellen finden können. Und das ist auch richtig so, denn wie gesagt: Historische Romane sind immer Interpretationen von Geschichte. Es gibt keine Fakten. Und wenn man einmal dahinter geblickt hat, wie Queering funktioniert und was es für die eigene Sichtweise tun kann, fällt es einem auch kaum noch schwer, die alten, schädlichen Tropes der ewig leidenden LGBTQ Menschen loszulassen. Denn dann offenbaren sich einem langsam die positiven Lebensrealitäten und die LGBTQ Kultur vergangener Epochen, die so lang verschwiegen wurden.

Dazu gehört auch unbedingt, dass wir aufhören müssen zu versuchen, Queerness wegerklären zu wollen. Wir kennen sicherlich alle das Argument “Sie waren nur sehr enge Freunde”. Schmeißt das weg. Auch hier sind diskriminierende Mechanismen im Spiel, auch hier wurde und wird versucht historische LGBTQ-Geschichte(n) wegzuradieren, indem man sie schwammig macht und zurück in die eigene normative Sichtweise drängt. “Aber bei Friedrich II. oder James I. oder Anne Bonney oder Lord Byron oder Emily Dickinson gibt es gar keine eindeutigen Beweise, dass…” Das mit den eindeutigen Beweisen und wieso wir sie nicht haben hatten wir ja eigentlich schon geklärt.

Aber genau das ist eben der Teufelskreis: Wir haben oft keine eindeutigen Beweise, Selbstbezeichnungen und Primärquellen, weil historische Ignoranz und Verfolgung es für die Betroffenen zu unsicher gemacht haben, diese zu behalten oder gar erst anzufertigen. Und das, was wir haben, wird durch moderne Diskriminierung und zu ignorante Sichtweisen entwertet. Deshalb müssen wir “queeren”, denn anders geht es nicht, und, wenn wir unsere Interpretation dann vorstellen, sagt jemand süffisant: “Das ist jetzt aber weit hergeholt”. Und das ist es eben ganz und gar nicht. Das ist der Knackpunkt.

Wer immer noch zweifelt, sollte es vielleicht von einer anderen Seite aus betrachten: Wir haben auch sehr selten eindeutige Beweise dafür, dass historische Persönlichkeiten cis und heterosexuell waren. Auch hier gibt es nur selten eindeutige Selbstzuweisungen, allein schon, weil die moderne Terminologie noch nicht existiert hat. Trotzdem werden cis (also nicht trans) und hetero als Norm einfach akzeptiert, während jede davon abweichende Identität am besten mehrere eindeutige Beweise braucht, bevor sie auch nur in Betracht gezogen wird.


Macht und Agency: Historische Diskriminierung schreiben

Die Chevaliere d’Éon: Spionin, Soldatin, Hofdame und trans Frau des Rococo, 1787

Bevor es daran geht, historische Diskriminierugn zu schreiben, erhoffe ich mir von Autor_innen, die eine (oder besser mehrere) LGBTQ Figur im historischen Roman schreiben wollen, ein paar Dinge: 1. Ihr habt eure Recherche gründlich gemacht. Ihr kennt die Konzepte von LGBTQ in eurer Epoche und ihr wisst, welche queere Kultur es gegeben hat. Ihr wart bei der Quellenauswertung vorsichtig und kritisch. 2. Ihr habt versucht eure Epoche zu betrachten, ohne (moderne, sowie historische) diskriminierende Konzepte auf sie zu übertragen. So weit, so gut.

Denn der Punkt mit der historischen Diskriminierung ist kompliziert. Macht euch vor allem bewusst, dass ihr moderne LGBTQ-Leser_innen haben werdet. Fragt euch, ob ihr okay damit wärt, wenn eine betroffene Person euer Buch liest, oder ob eure Darstellung von historischer Diskriminierung am Ende genau die Leser_innen verletzt und ihnen schadet, die sie eigentlich an erster Stelle positiv erreichen und unterstützen sollte. Fragt euch, auf welche Weise ihr Diskriminierung darstellt. Wollt ihr schocken? (Bitte nicht.) Wollt ihr Drama erzeugen? (Lasst das lieber.) Was ist euer Ziel?

Wer triumphiert am Ende: Unterdrückende oder die Unterdrückten?

Denn die Linie zwischen „historisch authentischer“ Darstellung von historischer Diskriminierung und einer Darstellung um der Darstellung und des Schockeffekts Willen ist sehr dünn. Meine persönliche Meinung ist, dass kein historischer Roman es nötig hat, dass Diskriminierungsmuster immer und immer wiederholt werden. Zeigt, wenn es unbedingt nötigt ist, einmal authentisch welche Gefahren eine Gesellschaft für queere Menschen bereithalten könnte. Konfrontiert eure Figuren aber nicht alle drei Seiten immer wieder damit. Denn so überschreitet man die Grenze mit Sicherheit.

Aber noch viel wichtiger sind die Fragen danach, wen ihr in den Mittelpunkt rückt. Und wem ihr die Macht gebt. Denn ihr könnt diskriminierende, unterdrückende Figuren so grausam und hassenswert darstellen, wie ihr wollt: Wenn sie am Ende ihr Leben normal weiterleben dürfen, während die LGBTQ Person leidet oder ruiniert oder sogar tot ist, ist das problematisch. Denn dann belohnt eure Geschichte die Unterdrücker_innen für ihr Unterdrücken, egal, wie sehr ihr versucht habt sie zu kritisieren. Sie leben. Sie triumphieren. Sie haben die Macht. Auch das bestärkt am Ende das Bild davon, wer Agency haben darf und wer nicht.

Schreibt komplexe Figuren, keine Abziehbilder

Es gibt da ein paar einfache Faustregeln: Benutzt Diskriminierung nicht als Schockeffekt. Versucht, sie wirklich authentisch zu halten: Kein großes, tragisches, dramatisches Leid, seid nicht reißerisch. Und: Gebt euren LGBTQ Figuren immer die Macht zurück. Lasst sie triumphieren und nicht ihre Unterdrücker_innen. Lasst sie glücklich werden, ein erfülltes Leben führen, sich verlieben oder nicht und definiert sie nicht über ihre Diskriminierung. Lasst die Figuren komplexe, vielschichtige Romanfiguren sein.

Ja, ihr „dürft“ Diskriminierung zeigen. Aber wenn ihr kein Gegengewicht bietet – Glück, Bereicherung, LGBTQ Kunst, Kultur, Community, positive Aspekte – oder eure Figur an der Diskriminierung zugrunde geht, als gäbe es keine anderen Möglichkeiten, dann ist das erneut problematisch. Und das Argument von der „historischen Korrektheit“ ist nicht überzeugend, denn ich kann euch aus dem Stehgreif dutzende historische LGBTQ Personen aufzählen, die ein erfülltes Leben geführt haben, und nur wenige, denen das leider nicht vergönnt war. Es geht nicht um “historische Korrektheit”.

Bei der Recherche kann es deshalb auch helfen, sich Lebensgeschichten von echten LGBTQ Persönlichkeiten durchzulesen, die in der Zeit gelebt haben, über die ihr schreiben möchtet. Wie haben sie gelebt? Welche Schwierigkeiten haben sie erlebt? Wie sind sie damit umgegangen? Das hilft ihre Geschichte abseits von Vorurteilen und Klischees etwas authentischer zu sehen und auch darzustellen. Lest nicht nur, was nicht selbst betroffene Historiker_innen schreiben. Schaut euch echte Biografien von LGBTQ Menschen an.

Meine persönliche Meinung als Historikerin ist: Je weniger ihr auf Diskriminierung eingeht, umso besser. Umreißt die Probleme der Epoche nuanciert und authentisch, gebt euren Leser_innen ein komplettes Bild der Ära. Aber nicht jede Figur, die eure LGBTQ Figur trifft, muss diskriminierend sein. Geschichte und Gesellschaften waren komplexer als das. Denn am Ende ist die LGBTQ Figur, die in ihrer Gesellschaft gar nicht glücklich werden kann, weil sie LGBTQ ist, ein diskriminierendes Klischee im historischen Roman, das einfach nicht der historischen Lebensrealität entspricht.


Zusammenfassend: Do’s & Don’t’s

Die “Damen von Llangollen”: Lady Eleanor Butler & Miss Sarah Ponsonby | Gesellschaftsdamen des späten 18. Jahrhunderts, die gemeinsam lebten

Wie schreibt man eine gelungene LGBTQ Figur im historischen Roman, die keine negativen Klischees erfüllt? 1. Recherchiert die LGBTQ Geschichte euer Epoche und achtet darauf, von wem eure Quellen stammen. Übernehmt keine ignoranten und diskriminierenden Konzepte als allgemeingültigen Fakt und gebt den seltenen Quellen von Betroffenen den Vortritt. 2. Befreit euch so gut es geht von modernen Vorurteilen und wagt einen neuen, offenen Blick auf die Epoche, lernt LGBTQ Kultur dieser Zeit kennen. 3. Beschreibt historische Diskriminierung nuanciert und authentisch, ohne reißerische Schockeffekte.

Und, ganz wichtig, 4. Lasst eure LGBTQ Figuren glücklich werden. Dieser Punkt ist wichtig, weil wir da im Moment ein Ungleichgewicht haben. Auf dutzende historische Romane mit toten oder leidenden LGBTQ Figuren kommen nur sehr wenige, die LGBTQ Figuren glücklich sein lassen. Unsere Romane existieren nie im Vakuum, sondern immer im Kontext zu unserer Gesellschaft und anderen Romanen, weshalb all die toten, unglücklichen LGBTQ Figuren diesen Klischees in die Hände spielen. “Aber es ist doch nur einer bei mir!” Ja, einer, der aber auch im Kontext zu all den anderen der letzten Jahrzehnte steht. Behaltet das im Kopf.

Das bedeutet natürlich nicht, dass euren LGBTQ Figuren nie etwas Schlimmes passieren darf. Eine gute Faustregel ist wohl, die Figur einfach genauso zu behandeln, wie ihr eure anderen Held_innen auch behandelt. Steckt sie in Konflikte, die mit ihrer Identität nichts zu tun haben, die also auch funktionieren würden, wenn ihr über eine heterosexuelle Heldin schreiben würdet. Gebt den Figuren dieselben Happy Ends, die ihr euren anderen Held_innen auch gönnen würdet. Denn, wenn eine Geschichte gut endet, sehen alle Konflikte und schlechten Geschehnisse nochmal ganz anders aus, als wenn sie traurig endet.

Am Ende kann ich wohl nur sagen: Seid empathisch. So frustrierend es ist, das sagen zu müssen, aber: Denkt daran, dass LGBTQ Menschen eben genau das sind, Menschen. Eure Leser_innen. Wer eine leidende, tragische und am Ende tote LGBTQ Person trotz der bis heute existierenden Diskriminierung unbedingt als eine Art “novelty effect” im Roman haben möchte, wird das wohl auch umsetzen, egal was Historiker_innen und Leser_innen wie ich dazu sagen. Ich hoffe aber, dass ich zumindest ein paar Autor_innen aufzeigen konnte, warum das nicht in Ordnung ist.


Abschließend: Ein Schlusswort

Das ist jetzt natürlich alles viel leichter gesagt als getan. Ich denke persönlich, dass es helfen würde, wenn sich Autor_innen von historischen Romanen bewusst machen würden, dass sie überhaupt Klischees und Vorurteile bedienen, oft passiert das unabsichtlich oder man denkt, es wäre “historisch korrekt”. Dass das nicht so ist, habe ich hoffentlich gut erklären können. Ich hoffe, dass euch dieser Artikel aus meiner Sicht als Historikerin für Gesellschaftsgeschichte ein bisschen weitergeholfen hat.

Vielleicht konnte ich euch als Autor_innen ein paar Anreize geben. Ich könnte noch viel mehr schreiben, dieser Post kratzt nur an der Oberfläche, aber ich möchte ihn gern “kurz” und verständlich halten. Für Fragen oder Klärungen von Unklarheiten bin ich in den Kommentaren immer verfügbar. Darüber hinaus findet ihr im “LGBTQ”-Tag meine Rezensionen zu historischen Romanen mit LGBTQ Figuren. Dort erkläre ich auch immer, warum das jeweilige Buch in meinen Augen ein gutes oder negatives Beispiel ist.


Beitragsbild: “Apollo et Hyacinthus”, Nicolas-René Jollain, 1769, Petit Trianon, Versailles