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Historienromane

“Lord John and the Private Matter” von Diana Gabaldon

The year is 1757. On a bright June day, Lord John Grey emerges from his club, his mind in turmoil. A nobleman and a high-ranking officer in His Majesty’s Army, Grey has just witnessed something shocking. But his efforts to avoid a scandal that might destroy his family are interrupted by something still more urgent: the Crown appoints him to investigate the brutal murder of a comrade-in-arms, who might well have been a traitor. Obliged to pursue two inquiries at once, Major Grey finds himself ensnared in a web of treachery and betrayal that touches every level of society – and threatens all he holds dear…


Eine deutschsprachige Ausgabe erschien 2005 unter dem Titel “Das Meer der Lügen” und übersetzt von Barbara Schnell bei Blanvalet. Diese ist jedoch nur noch antiquarisch erhältlich.


Meine Gedanken

Ein Geständnis: Ich kann mit Diana Gabaldons “Outlander”-Büchern nicht besonders viel anfangen, obwohl ich die Serie trotz der vielen Problematiken gern gesehen habe. Aber Lord John hat es mir angetan. Jetzt könnt ihr euch vorstellen, wie ich mich gefreut habe, als ich erfahren habe, dass es eine eigene Spin-Off-Trilogie und mehrere Novellen gibt, alle mit John in der Hauptrolle. Das ist jetzt ein paar Jährchen her und in dieser Zeit habe ich “Das Meer der Lügen” mindestens vier Mal gelesen, denn dieser historische Krimi hat alles, was ich mir von historischen Romanen immer gewünscht habe.

Das Offensichtliche vorweg: LGBTQ-Hauptfiguren sind im historischen Roman sehr selten. Doch Lord John ist schwul und das darf in “The Private Matter” auch eine Rolle spielen, es wird nicht einfach unter den Teppich gekehrt. Soweit ich das beurteilen kann, macht Diana Gabaldon diese Repräsentation auch tatsächlich gut. Im Nachwort spricht sie darüber, dass sie Sensitivity Reader hatte. Wie kein anderer Historienroman, den ich bisher gelesen habe, taucht “The Private Matter” in queere Kultur des georgianischen Londons ein, authentisch zeigt der Roman nicht nur Diskriminierung auf, sondern vor allem auch die positiven Momente.

Gut recherchierter Historienkrimi mit Pfiff

Ganz generell ist “The Private Matter” ein wunderbar atmosphärischer historischer Roman, der London um 1760 lebendig und bunt porträtiert und eine ganze Schar an interessanten, vielschichtigen Figuren mitbringt. Dazu kommt ein Aspekt, der jetzt vielleicht ein bisschen Nische ist: John ist Soldat und auch Militärgeschichte kommt bei “Lord John” nicht zu kurz. Ganz nebenbei erfährt man als Leser_in allerlei über die britische Armee und ihre Rolle im Siebenjährigen Krieg, sowie über die politischen Verstrickungen dieser Zeit. Diana Gabaldon weiß, wie man historische Romane schreibt und sie beherrscht das Handwerk extrem gut.

Man darf sich von “Lord John” aber auf keinen Fall ein zweites “Outlander” erwarten, was ich persönlich positiv finde: “Outlander” ist eine Zeitreisegeschichte, in der die Liebesgeschichte im Vordergrund steht. “Lord John” ist tatsächlich ein spannender, clever geplotteter Kriminalroman: Eigentlich möchte John nur sichergehen, dass seine Cousine sich mit ihrer Hochzeit nicht ins Unglück stürzt, erfährt dann aber zufällig etwas höchst Skandalöses über ihren Verlobten. Der drohende Skandal wird jedoch davon überschattet, dass John den Mord an einem Soldaten aufklären soll, der möglicherweise ein Verräter war.

Wer Geschichten voller Intrigen und Wendungen mag, ist hier richtig. John jagt den Mörder durch ganz London und zerbricht sich gleichzeitig den Kopf über seine familiären Probleme und das ist nicht nur spannend, sondern auch extrem lustig. Gabaldon erzählt die “Lord John”-Geschichten mit ganz eigenem charmanten Sarkasmus. “Lord John” ist weniger moderner Historienthriller und deutlich mehr klassischer Detektivroman, in dem Spuren und Hinweise gesucht und richtig zusammengesetzt werden müssen und das miträtseln macht richtig Spaß. Für Fans von intelligenten historischen Krimis mit liebenswerten Hauptfiguren ist der Roman eine wahre Freude.

Laute Hannoveraner und nebensächliche Schotten

Und das Schönste ist: Man kann ihn problemlos lesen ohne einen einzigen “Outlander”-Roman gelesen oder auch nur eine Folge der Serie gesehen zu haben. Claire und Jamie werden zwar erwähnt, Jamie kommt auch vor, aber nur am Rande und man kann sich zusammenreimen, wie er und John zueinanderstehen und warum. In diesem Roman spielen ganz neue, eigene Figuren die Hauptrolle: Johns wunderbar willensstarke Mutter Benedicta zum Beispiel, seine Cousine Olivia (mit dem skandalösen Verlobten), den neuen Kammerdiener Tom Byrd, der immer für einen Lacher gut ist, und meinen absoluten Liebling: Den hannoveranischen Kapitän Stephan von Namtzen, der kein Fettnäpfchen auslässt.

Ehrlich gesagt möchte ich nichts an diesem Roman missen. Er hat mir einfach von vorn bis hinten gut gefallen und das ist selten. Und klar, sicherlich liegt das auch daran, dass er mehrere Dinge vereint, die ich sehr mag: LGBTQ-Figuren in historischen Romanen, Militärgeschichte, einen spannenden Kriminalfall, subtilen Humor… Aber manchmal trifft man halt ein Buch, das wie für einen gemacht scheint und das hier ist meins. Ich würde den Roman allen Fans von cleveren Kriminalromanen und atmosphärischen Historienromanen unbedingt empfehlen wollen. Ob der Roman für “Outlander”-Fans als Spin Off etwas ist, kann ich nicht beurteilen, doch er als eigenständige Geschichte funktioniert er auf er ganzer Linie.


Die Reihe

1. Lord John and the Private Matter
2. Lord John and the Brotherhood of the Blade
3. Lord John and the Scottish Prisoner
4. Lord John and the Hand of Devils (Novellensammlung)


Lord John and the Private Matter | Arrow, 2004 | 9780099461173 | 380 Seiten | Englisch
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