Follow:
Essays

5 Histo-Klischees und wie man sie vermeidet: Eine Recherchehilfe

Klischees. Sie tauchen immer und überall auf und sind in den Augen vieler das Schlimmste, das einer Geschichte passieren kann. So weit würde ich nicht gehen, denn Klischee ist nicht gleich Klischee. Es gibt Klischees, die eben Klischees sind, weil sie so beliebt sind, und daran ist auch nichts Falsches. Man kann auch als Autor.in von historischen Romanen wunderbar mit Klischees spielen, indem man sie originell einbindet oder sie vielleicht untergräbt und in eine neue Richtung lenkt. Manche Klischees sind auch einfach okay, weil man sie mag. Das ist subjektiv.

Heute soll es aber um Klischees gehen, die der Großteil der Histo-Leser.innen eben nicht mag. Natürlich ist das immer noch subjektiv. Deshalb habe ich versucht, für diese Liste Klischees auszuwählen, die mich nicht nur persönlich stören, sondern auch auf tieferer Ebene das historische Genre, besonders im deutschsprachigen Raum, gleichzeitig auszeichnen und für viele Leser.innen weniger unterhaltsam machen. Und da ich nicht nur meckern möchte, habe ich außerdem versucht aus meiner Perspektive als Vielleserin und Historikerin heraus zu erörtern, wie man diese Klischees am sinnvollsten vermeiden kann, wenn man das denn möchte.


Triggerwarnung
Ich erwähne sexualisierte Gewalt, die Hexenverfolgung und misogyne historische Muster

1. Das finstere, finstere Mittelalter

Man kennt es: Eine Geschichte spielt im finsteren Mittelalter. Alle sind arm dran, schmutzig, die gesellschaftlichen Konventionen sind verroht, die Gesetze streng und Strafen drakonisch. Jede Woche wird eine Hexe verbrannt oder jemand auf andere Weise hingerichtet, außer den höchsten Adeligen und der Kirche hat eigentlich niemand irgendwelche Rechte und besonders die Landbevölkerung schuftet unter den schlimmsten Bedingungen und hat nichts davon, niemand wird über dreißig Jahre alt.

Mittlerweile findet man dieses Mittelalterbild nicht nur in historischen Medien, sondern auch in mittelalterlich inspirierter Fantasy und es treibt immer neue Blüten. Es ist das Klischee im historischen Genre, das sich über die Jahrzehnte verselbstständigt hat und warum es so verbreitet ist, ist klar: Man konsumiert historische Fiktion, in der das Mittelalter finster und schmutzig ist, man stellt es in seiner eigenen historischen Fiktion ebenfalls so dar, und so geht das weiter und weiter und das tatsächlich bereits seit der frühen Neuzeit, als das Mittelalter in einigen Regionen Europas noch nicht einmal beendet war.

Woher kommt das Klischee? Aus der Renaissance. Man besann sich zu Beginn des neuen Zeitabschnitts auf die Lehren der Antike zurück und lehnte die des Mittelalters rigoros ab. Mit diesem bewussten Schnitt ging natürlich einher, dass man das Vorhergegangene als schlechter wahrnahm und sich auch alle Mühe gab es als schlechter darzustellen. Die beeindruckenden Kathedralen der Romanik und Gotik wurden nun als hässlich empfunden, die mittelalterlichen Lehren als rückständig. Humanismus, neues Selbstverständnis, neue philosophische Richtungen und so weiter. Das Mittelalter als düsterer Zeitabschnitt, der jetzt endlich vorbei ist.

Wenn ich meinen Freund.innen erzähle, was ich wieder für historischen Unsinn gelesen habe | Aus “Das Buch von der Stadt der Frauen” von Christine de Pizan, ca. 1413

Tatsächlich vollzog sich keiner dieser Wandel in Gesellschaft und Kunst so schlagartig, wie man meinen könnte und begann – natürlich – bereits im Mittelalter und nicht erst danach. Und natürlich ist auch die Idee der Renaissance als helles, fortschrittliches Zeitalter und des Mittelalters als dunkel und verkommen viel zu schwarzweiß gedacht – findet jedoch immer wieder ihren Weg in historische Medien. Nein, natürlich war die Welt im Mittelalter für viele Menschen nicht besonders rosig. Es gab dutzende Missstände, über die es sich zu schreiben immer wieder lohnt.

Aber nur die Missstände zu beschreiben und die Fortschritte in Wissenschaft, Architektur, Kunst und Philosophie außen vor zu lassen, zeichnet ein sehr einseitiges Bild einer spannenden Epoche, die mehr kann als schmutziger, verrohter, brutaler Schauplatz sein. Über das Mittelalter schreiben ist schwer. Sich zusammenzusammeln, was man in Filmen, Serien und anderen Romanen gesehen hat, ist leichter. Trotzdem ist es wichtig, sich als Autor.in klar zu machen, was für eine anspruchsvolle Epoche das Mittelalter ist und worauf man sich einlässt, wenn man darüber schreibt. Natürlich kann man die alten Klischees bedienen – Aber das will kaum noch jemand lesen.


2. Die Hexenverfolgung

Es klang oben schon an. Ein weiteres Klischee ist natürlich die Hexenverfolgung, die oft auch ins finstere Mittelalter verlegt wird, weil sie so gut in diese düstere, rohe Zeit zu passen scheint. Tatsächlich ist die europäische und amerikanische Hexenverfolgung jedoch ein Phänomen der Frühen Neuzeit, das sich auch nicht in der gesamten westlichen Welt gleichzeitig und aus den gleichen Gründen vollzog. Sie hat mit der Inquisition des Mittelalters durchaus auch zu tun, aber längst nicht so viel, wie historische Medien uns weismachen wollen.

Die Hexenverfolgung ist im Bewusstsein vieler Menschen etwas sehr Schwammiges, das sie einerseits fest im Mittelalter verorten, andererseits aber auch gern mal auf alle anderen historischen Epochen übertragen, um darzustellen wie rückschrittlich diese gewesen seien. Was dabei unter den Tisch fällt, ist der durch und durch politische, religiöse und auch misogyne Charakter dieses Phänomens, der mit der Politik und den Wertvorstellungen der Frühen Neuzeit eng zusammenhängt, nicht mit denen des Mittelalters, und zum Beispiel im 19. Jahrhundert einfach nicht mehr in dieser Form zutrifft.

Gab es Hexenverfolgungen nach ca. 1650 bis 1700? Ja, aber sie haben mit der Verfolgung von “Hexen” aus früheren Jahrzehnten nicht mehr viel zu tun und spielen sich meist in kleinen, abgeschotteten, meist stark religiösen Kommunen ab (wie in den 1690ern in Salem in den USA). Groß angelegte Hexenverfolgungen, die zu Prozessen oder sogar zu Todesurteilen führen, im 18. oder 19. Jahrhundert tun nichts, außer auf die mangelhafte Recherche der Autor.innen hinzuweisen, es ist leider so.

Dieses Klischee ist daher auch einfach zu vermeiden. Wenn euch der Gedanke kommt “Hey, ich muss zeigen, wie rückschrittlich und brutal diese Menschen sind! Ich hab’s, ich baue eine Hexenverfolgung ein!”, dann verwerft ihn einfach wieder. Die Hexenverfolgung war die Verfolgung von größtenteils Frauen aus politischen und religiösen Gründen in der Frühen Neuzeit, die sich von Gegend zu Gegend und Jahrzehnt zu Jahrzehnt unterscheiden können. Sie ist ein schrecklicher Massenmord, kein Gimmick, mit dem ihr euren Roman aufpeppen könnt.

Ihr wollt einen Roman über die Hexenverfolgung schreiben, der sich mit genau diesen komplexen Thematiken auseinandersetzt? Wichtig ist, sich einfach bewusst zu machen, wo und wann ihr euch befindet und euch dann mit den politischen, religiösen und gesellschaftlichen Einstellungen dieser Gegend und Zeit vertraut zu machen. Warum und wie wurden Menschen, größtenteils Frauen, als Hexen verfolgt? Stelle ich meine “Hexe” als Opfer dar oder hafte ich ihr am Ende eine gewisse Mitschuld an? (Bitte tut das nicht.) Ist mir bewusst, wie sehr das Frauenbild der Epoche und dieses Settings die Hexenverfolgung beeinflusst?

Ich möchte weniger Romane sehen, in denen die Kräuterfrau aus dem Wald aus reinem Aberglauben als Hexe verfolgt wird, und mehr Romane, in denen die deutlichen religiösen und misogynen Komponenten komplex aufgeschlüsselt werden. Denn während ärmere, machtlosere Frauen natürlich eher in Gefahr liefen, als Hexen verfolgt zu werden, konnte es von der Dienstmagd bis zur Adeligen alle treffen und es war weniger Aberglaube im Spiel, als strenge religiöse Wertvorstellungen und Frauenbilder. Das müssen sich Autor.innen von historischen Romanen bewusst machen.


3. Frauen durften überhaupt nichts

Das Klischee, das mich wohl persönlich am allermeisten heimsucht. Auch hier spielt viel Unverständnis für historische Epochen und Schwarzweißdenken eine große Rolle. Denn: Ja, natürlich, in vielen vergangenen Epochen sah es, was die Rechte der Frau angeht, nicht gut aus. Wichtig ist aber auch hier, sich ganz am Anfang hinzusetzen, Setting und Epoche zu bestimmen und sich anzusehen, welche Rechte Frauen genau dort und dann hatten oder nicht hatten. Denn im Deutschland der 1830er Jahre sieht das komplett anders aus, als im England der 1560er – oder sogar im England der 1830er.

Auch hier scheinen sich Autor.innen oft damit zufrieden zu geben, was sie in Filmen, Serien und Romanen sehen. Frauen tragen lange Kleider und müssen nähen und sticken, sind der Besitz des Vaters oder Ehemanns, haben keinerlei Rechte, dürfen nicht lesen oder das Haus verlassen und schon gar nicht davon träumen, unabhängig zu sein. In diesem Klischee steckt ein bisschen Wahrheit, aber auch ganz viel Unsinn. Deshalb ist es so wichtig, sich nicht einfach dieses Klischee zu greifen und auf jede historische Epoche anzuwenden, sondern sich wirklich auszukennen.

Wie ich mich fühle, wenn Histos mir erzählen wollen, was Frauen alles nicht durften | “In Gedanken”, Félix Armand Heullant, 19. Jh.

Faktoren, die bedacht werden müssen, sind immer auch gesellschaftlicher Stand und Herkunft, die individuelle Vor- und Nachteile mitbringen. Das adelige Mädchen, das sich über die vielen Bälle und den vom Vater ausgesuchten Ehemann beschwert, während die weiblichen Dienstboten ihr das Haar machen und am besten noch wertvolle Tipps geben, möchte ich nicht mehr lesen, genauso wenig, wie die historische Frau, die ausbricht, indem sie sich Männerkleidung anzieht und sich typisch männlich verhält.

Nicht nur hat dieses Klischee eine moderne, deutlich misogyne Komponente, weil es weiblich assozierte Tätigkeiten und Kleidung abwertet, es ist auch durch und durch historischer Unfug. Beschäftigt euch nicht damit, was “Frauen” als große Masse “früher” angeblich durften oder nicht durften. Schaut euch an, was eine Frau in der Position euer Heldin – Vielleicht eine gutbürgerliche Tochter im Marseilles von 1763 oder eine Dienstbotin im London von 1912  – durfte oder nicht durfte und wie sie hätte ausbrechen können. Verlasst euch nicht auf alte, müde Klischees, die am besten noch in Misogynie getränkt sind.

Ich bin Geschichten einfach müde, in denen Frauen nicht mit auf die Jagd reiten dürfen, nicht lesen dürfen, nichts “Sinnvolles” lernen dürfen, weil sie sind ja Frauen. Einerseits, weil echte Frauengeschichte so viel Komplexer ist, als das. Andererseits, weil es oft genutzt wird, um relativ billig die Heldin des Romans in die ärmste Opferrolle zu drängen, ohne Rücksicht darauf, was das mit dem Geschichtsverständnis der Leser.innen macht.

Und vergesst nicht, dass es auch in Zeiten, in denen selbst adelige, weiße Frauen kaum Rechte hatten, Privilegien und Abstufungen derer gab. Es wirkt ignorant, wenn sich die adelige Tochter bei ihrer Dienstmagd beschwert und ihre Unterdrückung als die objektiv schlimmste darstellt. Es wirkt noch ignoranter, wenn die weiße Hauptfigur ihr Leid über das von nicht weißen Figuren stellt – oder es gleichstellt, weil “wir sind beide Frauen”. Es würde dem Histo-Genre gut tun, wenn seine Autor.innen mit diesen Thematiken sensibler umgingen.


4. Zufällig sind alle Held.innen normschön

Auf dieses Klischee hat mich Nadine aufmerksam gemacht, aber ich empfinde es ebenfalls nicht nur als störend, sondern als schädlich. In historischen Romanen sind meistens alle Held.innen, ungeachtet der Epoche und ihrer Schönheitsideale, nach modernen Standards normschön. Die Heldin ist sehr schlank, aber hat an den richtigen Stellen natürlich trotzdem Kurven, mit langen, glänzenden Haaren und ist natürlich vornehm blass (und weiß…), selbst, wenn der Roman im Barock oder den viktorianischen Jahren spielt, die komplett andere Schönheitsideale hatten.

Das stört mich besonders, weil es moderne (!) Schönheitsideale in den Köpfen von modernen (!) Leser.innen verfestigt, die sich dann denken “Aha, das war also schon immer so, da muss also was dran sein.” Das historische Genre bietet sich an wie kein zweites, Menschen als schön darzustellen, die unsere moderne Gesellschaft eher nicht so beschreiben würde und ich wünschte, Autor.innen von historischen Romanen würden damit beginnen, da solche Darstellungen moderne Schönheitsideale, die uns alle einschränken, etwas auflockern könnten.

Außerdem bedient das Genre auch hier wieder Schwarzweißdenken par excellence. Die guten, moralisch einwandfreien Held.innen sind (nach modernen Idealen) normschön, ja beinahe engelsgleich schön. Böse Figuren sind nach modernem Verständnis “hässlich”. Wir alle kennen die dicken, schwitzenden Männer mit fettigen Haaren, die im historischen Roman die einzigen sind, die jemals (sexualisierte) Gewalt gegen Frauen begehen. Böse Frauen sind entweder dick oder “zu dünn”, haben zu große Nasen oder zu breite Münder und können es sowieso nicht mit den perfekten Held.innen, die aussehen wie einem Renaissancegemälde entstiegen, aufnehmen.

“Sie war groß und auffällig dünn, mit langen feuerroten Haaren und alle fanden sie umwerfend schön, obwohl es 1882 war.” | Portrait einer brieflesenden Frau, Pierre-Alexandre Wille, 1776

Ich denke, dass dieses Klischee eines ist, von dem sich viele Autor.innen und Leser.innen vielleicht gar nicht bewusst sind, dass es eines ist. Und ich weiß, dass es schwierig sein kann, historische Schönheitsideale zu recherchieren. (Vertraut bitte nicht diesen “100 years of beauty”-Videos auf Youtube. Sie sind unterhaltsam, aber lassen Historiker.innen weltweit die Haare zu Berge stehen.) Es ist aber möglich und es hilft schon, sich zeitgenössische Portraits anzuschauen, denn diese sind natürlich idealisiert und zeigen die Dargestellten meistens so, wie sie gern ausgesehen hätten.

Besonders bei der Darstellung von Männern fände ich es wunderschön, wenn Autor.innen aufhören würden, uns nach modernen Idealen schöne Männer aufzudrängen, denn was Männer angeht, könnten sich unsere modernen Ideale nicht weiter von denen der Vergangenheit unterscheiden. Und nein, natürlich soll das nicht heißen, dass niemand mehr nach modernen Standards normschöne Figuren im historischen Roman schreiben darf. Aber passt auf, wie ihr sie darstellt und welche Botschaften ihr damit an eure modernen Leser.innen sendet. Das ist alles.


5. Die Held.innen wissen alles besser

Ich verstehe die Motivation dahinter, die eigenen Histo-Held.innen besonders intelligent und fortschrittlich wirken zu lassen. Natürlich möchte man nicht, dass die Figur, mit der die Leser.innen mitfühlen sollen, zeitgenössischen Bias zu sehr zur Schau trägt und das muss man auch nicht. Ich sage das gleich vorweg: Natürlich ist es vollkommen legitim, seine Held.innen fortschrittlich denken zu lassen – Aber eben so, wie es die Epoche erlaubt. Leider ist es nämlich selten so, dass die Held.innen in Histos alle Proto-Feminist.innen sind, die sich gegen Queerfeindlichkeit, Rassismus und andere -ismen einsetzen.

Viel eher haben sie das “Held.in aus der Zeitmaschine”-Syndrom: Sie sind, ohne Erklärung, mit modernem Wissen und Theorien ausgestattet und wissen schon als Jugendliche alles vier Mal besser, als ihre Zeitgenossen. Vierzehnjährige Mädchen, die nie eine Schule von innen gesehen haben, sind bessere Ärzt.innen, als professionell ausgebildete Menschen. Dem Dienstboten fällt die entscheidende Lösung für das schlimme soziale Dilemma seiner Hausherrin ein. Die Kammerzofe sagt voraus, dass die Kriegsstrategie ihres Königs schiefgehen wird und hat natürlich Recht, als hätte sie in die Zukunft gesehen und es so im Geschichtsbuch gelesen.

Und genau so liest sich das oft: Als hätten diese Held.innen Zugriff auf moderne Geschichtsbücher und Fachlektüre gehabt. Egal wer sie sind, sie verstehen ihre Epoche deutlich besser als alle Zeitgenossen, sehen alle Missstände, die anderen natürlich nicht auffallen und wissen auch immer die perfekte Lösung, können sie aber tragischerweise nicht umsetzen, da sie meistens in machtlosen Rollen feststecken. Warum das nicht so glaubwürdig ist, erklärt sich denke ich von allein. Anders machen könnte man es, indem man seine Held.innen zwar fortschrittlich denken lässt, aber eben ihrer Epoche und ihren Möglichkeiten gerecht.

Natürlich kann eure vierzehnjährige Heldin ein gutes Verständnis von Medizin haben und der Dienstbote kennt sich sicherlich auch gut mit der gehobenen Gesellschaft aus. Trotzdem ist er nicht Teil der Oberschicht und hat auch keine Fachliteratur aus dem 21. Jahrhundert über die sozialen Konventionen seiner Zeit gelesen und sie hat nicht 2019 Medizin studiert und sollte daher auch nicht dieses Wissen mitbringen. Die Autor.innen dieser Romane haben ihre Recherche sicherlich gut gemacht. Wichtig ist aber, sich davon ein Stück weit zu distanzieren und zu trennen, was moderne Theorie ist und was übrig bleibt, wenn man die raus nimmt.

Das ist schwerer, als es klingt, aber es lohnt sich. Denn wenn es einem gelingt, die riesige Menge an Recherche, die man gemacht hat, subtil und natürlich in den Roman einfließen zu lassen, anstatt sie mit Macht zwischen die Zeilen zu hämmern und die moderne Forschung am besten noch dazu, gibt das der Atmosphäre deutlich mehr, als Held.innen, die alles wissen und komplett modern denken.


Am Ende bleibt es natürlich allen Autor.innen selbst überlassen, inwieweit sie solche Klischees einbauen oder eben nicht und ich spreche ja auch nicht für alle Histo-Leser.innen. Die hier gesammelten Klischees stören mich persönlich als Leserin, aber eben auch als Historikerin, und sind ansonsten eine Sammlung von dem, was mir Freund.innen und nette Menschen auf Twitter genannt haben, als ich sie nach den Klischees im historischen Roman gefragt habe, die sie als störend empfinden. Ich hoffe, ich konnte allen, die diese Klischees ebenfalls nicht mögen, aber nicht recht wissen, wie sie zu umgehen sind, ein bisschen weiterhelfen.

Aber wie ist das mit euch? Stören euch diese Dinge? Welche Klischees im historischen Roman könnt ihr nicht mehr sehen?


Beitragsbild: Élisabeth Charlotte d’Orléans, Duchesse de Lorraine, gemalt von Jean Baptiste Martin, ca. 1710

Share on
Previous Post Next Post

1 Comment

  • Reply Nicole

    Ein wirklich toller und sehr ausführlicher Beitrag über einige Klischees, die mich auch stören. Ich lese zwar bisher noch weniger Historische Bücher, aber schaue viele Filme und Serie in dem Genre und da begegnen einem ja einige der Klischees. Gerade was die Optik der Figuren anbelangt zeigt man uns da eine romantisierte Version, in der alle wunderschön und schlank sind, was null dem damaligen Schönheitsideal entspricht. Da fände ich eine Serie, die dem treu bleibt ebenfalls mal erfrischend. Was das Mittelalter anbelangt ,da hat sich dieses dunkle, brutale Zeitalter definitiv in den Köpfen der meisten festgesetzt. Ich finde die Zeit ja unglaublich interessant und weiß deshalb, dass das nur eine Seite ist.

    Ansonsten viele interessante Fakten und Klischees, an die ich bisher nicht gedacht habe, wie das mit der Hexenverfolgung.

    23. August 2019 at 12:41
  • Leave a Reply