Abigail Chaplin has always been unable to find a position as a maidservant like other girls, because she is deaf. So why do the rich Fanshawes of Markyate Manor seem so anxious to employ her? And where exactly does her mistress, Lady Katherine, ride out to at night?  “Shadow on the Highway” is based on the life and legend of Lady Katherine Fanshawe, the highwaywoman, sometimes known as The Wicked Lady. A tale of adventure and budding romance set in the turbulent English Civil War, this is a novel to delight teens and adults alike.


MEINE GEDANKEN

Es gab zwei Gründe, aus denen ich “Shadow on the Highway” unbedingt lesen wollte. 1. Es geht um Lady Katherine Fanshawe, eine Straßenräuberin aus der Zeit des englischen Bürgerkrieges. 2. Die Ich-Erzählerin, Abigail, ist gehörlos. Repräsentation aller Arten ist in der historischen Fiktion leider immer noch sehr selten, weshalb es in meinen Augen direkt ein Pluspunkt für diesen Roman ist, dass er eine Heldin mit Beeinträchtigung hat.

Ich bin zwar nicht selbst betroffen, doch ich fand die Repräsentation sehr gut gemacht, soweit ich das beurteilen konnte. Abigail kann Lippen lesen, sodass sie meistens weiß, worüber die Menschen in ihrer Nähe reden. Sie wird oft für weniger schlau oder weniger fähig gehalten, weil sie nicht hören kann, aber Deborah Swift gibt Abigail trotz dieser Diskriminierung die Agency zurück, indem Abigail es ausnutzt, dass die Leute denken, sie kann sie nicht verstehen, um Informationen zu bekommen, die sie nicht haben dürfte.

Tatsächlich ist das auch Aibgails sehr interessanter Konflikt in diesem Roman: Ihr Bruder (Ralph Chaplin, der vielleicht historisch belegt ist und vielleicht nicht) ist für ein englisches Parlament und bereit dafür zu kämpfen, doch die Fanshawes, für die Abigail als Magd arbeitet, sind Royalisten und auf der Seite von König Charles I., was dafür sorgt, dass Abigail bald zwischen die Fronten gerät. Sie will ihrem Bruder Ralph helfen, doch sie ist auch abhängig von der Gunst der Familie Fanshawe, denen auch das Land gehört, auf dem Ralph lebt und arbeitet.

BÜRGERKRIEG & HIGHWAY WOMEN

Obwohl ich ja eigentlich für Katherine Fanshawe gekommen bin, bin ich für Abigail geblieben, denn Katherine ist in diesem Roman die meiste Zeit furchtbar. Sie ist das typische privilegierte Mädchen, das nicht versteht, was für schwere Arbeit ihre Bediensteten leisten. Jedes Mal, wenn sie Abigail gesagt hat, dass ihre Arbeit doch gar nicht so schlimm sein kann, bin ich mit Abigail gemeinsam wütend geworden. Jedes Mal, wenn sie sich als Dienstmagd verkleidet um Ralph zu treffen und Abigail zwingt, für sie zu lügen, wollte ich sie schütteln.

Dazu kommt, dass Katherine das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Abigail und sich stark ausnutzt. Sie zwingt Abi zu Sachen, die diese nicht tun will, immer mit der Drohung, Abigail zu feuern und dafür zu sorgen, dass sie keine neue Anstellung bekommen wird. Ich fand diesen Konflikt genial aufgebaut, weil man so sehr gemerkt hat, dass Katherine gar nicht richtig versteht, dass sie Abigails gesamte Zukunft in den Fingern hat. Katherine mag einerseits die Ideen von Gleichheit, die die Roundheads verfolgen, sieht Abigail aber trotzdem immer als unterlegen an.

Ich hatte erwartet, dass der Roman von Straßenräubern handeln würde, doch, dass die Wicked Lady Katherine als Straßenräuberin auftritt, um ihr Anwesen Markyate vor dem Verkauf zu retten, ist eher im Hintergrund wichtig. Im Vordergrund steht der Konflikt zwischen Roundheads und Cavaliers, der englische Bürgerkrieg, den Deborah Swift der Zielgruppe angemessen detailliert und verständlich aufarbeitet.

Die Abhänigskeitsbeziehung zwischen der reichen, privilegierten Katherine und Abigail, die auf ihren Wohlwollen angewiesen ist, aber zu rebellieren beginnt, als sie ausgenutzt wird, ist dann auch der Konflikt des Bürgerkriegs im Kleinen, was mir sehr gefallen hat, da er die Dinge, für die Ralph und die Roundheads sich einsetzen, auf einer persönlicheren, emotionalen Ebene verständlich macht.

KOMPLEXE FIGUREN ABSEITS VON KLISCHEES
(CW: Sexualisierte Gewalt)

Als wäre es nicht cool genug, dass “Shadow on the Highway” ein spannender Abenteuerroman mit brillant recherchiertem historischen Hintergrund ist, ist es auch noch ein Roman über Frauengeschichte. Nicht jeder historische Roman mit weiblichen Hauptfiguren kann sich, wie wir wissen, feministisch nennen, doch die Geschichte von Abigail und Katherine schon.

Abigail ist die arme Dienstmagd, die alles verloren hat und wegen ihrer Gehörlosigkeit ausgegrenzt wird, Katherine ist im sprichwörtlichen goldenen Käfig gefangen. Markyate Manor gehört ihr nicht, sondern ihrem Ehemann, obwohl das Haus aus dem Erbe ihrer Mutter stammt. Der Stiefvater ihres Mannes schlägt sie und bevormundet sie, während ihr Mann Thomas wortlos und tatenlos zusieht. In dieser Version der Geschichte treibt es Katherine auf den Highway, weil sie ihr Haus retten will, dass verkauft werden soll, um den König finanziell zu unterstützen.

Daran gefällt mir am besten, wie es Swift gelingt zu zeigen, dass Katherine gleichzeitig privilegiert ist und trotzdem unter den Konventionen ihrer Zeit leidet. Sie selbst wird ausgenutzt und missbraucht, nutzt aber ihrerseits wieder Abigail aus, die sie als ihr unterlegen versteht, weil sie eben nur eine Dienstmagd ist. Katherines Ignoranz und ihr Trauma werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern einfach gezeigt und ergeben ein gutes Bild davon, was es im 17. Jahrhundert bedeutet haben mag, eine privilegierte Frau zu sein.

“Shadow on the Highway” ist ganz klassische historische Young Adult im Stil von Genregrößen wie Mary Hooper, und ich nehme an, dass deshalb nichts ausbuchstabiert wird, doch wenn Katherine panisch mit Abigails Hilfe ihre Schlafzimmertür verbarrikadiert, wann immer ihr Mann Thomas und sein Onkel Simon zuhause sind, wird klar, wie groß Katherines Trauma wirklich ist. Ich bin gespannt, ob das im dritten Teil der Reihe, “Lady of the Highway”, der aus Katherines Ich-Perspektive erzählt ist, deutlicher werden wird.

HISTORISCHE YOUNG ADULT IN BESTFORM

Ich hätte mir vielleicht ein bisschen mehr tatsächliche Straßenräuberei gewünscht, denn der Roman spielt größtenteils innerhalb von Markyate Manor und Abigail braucht auch relativ lange um zu verstehen, was bereits im Klappentext steht und was die Leser.innen lange vor ihr entschlüsseln: Katherine ist eine Straßenräuberin. Das spannende Finale macht das aber allemal wett und rundet die sowieso schon gute Geschichte schön ab.

Am Ende machen die Spannungen zwischen den Figuren, der detailreiche historische Hintergrund und Abigails wunderbar geschriebene Ich-Perspektive “Shadow on the Highway” zu einem durch und durch lesenswerten historischen Abenteuerroman, der nicht nur Jugendlichen gefallen wird. Die, soweit ich das beurteilen kann, gelungene Repräsentation von Abigails Gehörlosigkeit, sowie die komplex und ohne Klischees aufgearbeitete Frauengeschichte mit Augenmerk auf sozialen Unterschieden machen diesen Roman zu etwas Besonderem.

Ich freue mich schon, mit “Spirit of the Highway”, das aus Ralphs Sicht erzählt ist, in die Welt dieser Figuren zurückkehren zu dürfen und auf Deborah Swifts andere Romane über dieses turbulente Kapitel englischer Geschichte, denn die Autorin scheint sich in der Zeit sehr gut auszukennen und, dass sie sie schreiben kann, hat sie ja bereits bewiesen.


Die Reihe

1. Shadow on the Highway
2. Spirit of the Highway
3. Lady of the Highway


Shadow on the Highway | Highway Trilogy #1 | Endeavour Press, 2017 | 9781911445241 | 298 Seiten | Englisch